Porträt des Johannes Ryhiner-Iselin
Porträt des Johannes Ryhiner-Iselin - 1

Porträt des Johannes Ryhiner-Iselin

Joseph Esperlin, Basel, 1757 datiert
Ölmalerei auf Leinwand
H. 84,1 cm, B. 68,1 cm
Inv. 1997.56.1.

Bildauflösung:
3445px x 4159px

CHF 40.00

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Als Johannes Ryhiner-Iselin (1728–1790) seine Ehefrau Maria und sich selbst 1757 von Joseph Esperlin (1707– 1775; Kat. 133) porträtieren liessen, war es bereits sieben Jahre her, seit er von seiner Ausbildungsreise heimgekehrt war. Diese hatte er nach der Handelsausbildung angetreten, wie es für gut situierte Bürgersöhne zu dieser Zeit üblich war. Inzwischen standesgemäss verheiratet, war Ryhiner Teilhaber der väterlichen Indiennefabrikation geworden und hatte die ersten Stufen der Ämterlaufbahn in Basel erklommen, so dass er sich für Esperlins Gemälde getrost einmal in seinem Sessel zurücklehnen konnte.
Frankfurt, Leipzig, Dresden, Prag, Wien, Budapest, Bratislava, Breslau, Berlin, Braunschweig, Hannover, Hamburg, Lübeck, Bremen, Amsterdam, Utrecht, Leiden, Den Haag, Rotterdam, Antwerpen, Brüssel, Gent, Paris, Lyon, Genf – das waren die wichtigsten Etappen auf seiner vor wiegend mit der Postkutsche zurückgelegten, fast einjährigen Tour d’Europe. Im April 1749 brach er mit der Zustimmung und der fi nanziellen Unterstützung des Vaters auf.
Nicht zuletzt um über die Verwendung des ihm zur Verfügung gestellten Geldes Rechenschaft abzulegen, führte Ryhiner gewissenhaft Tagebuch. Den üblichen Konventionen folgend zählt sein Reisejournal neben Vorzügen und Nachteilen der besuchten Städte auch die Sehenswürdigkeiten sowie das Verhalten und die Bräuche der Einwohner auf. Über das ihn kaum überzeugende Wien etwa ist zu lesen: «Wenn diese kaiserliche Residenz nicht ihres Altertums wegen, und daß sie die Ehre hat, den größten Monarchen von Europa zu beherbergen, berühmt wäre, so verdiente sie wegen ihrer Unsauberkeit und schlechten Bauart nicht die allergeringste Achtung.» Ein besonderes Augenmerk legte Johannes Ryhiner – im vollen Saft der Jugend stehend – stets auf die «Frauenzimmer», deren Äusseres er z. B. in Paris durchaus kritisch in Augenschein nahm: «Das Frauenzimmer ist mehrenteils nicht schön, sondern hat gelbe Haut, dahero sie sich auch mit Weiß und Rot sehr stark beschmieren; im Umgang aber seind sie ziemlich angenehm, sonderlich bei dem Tisch.» 1 239 französische Meilen (etwa 4 830 km) legte er bis zu seiner Heimkehr am 1. März 1750 zurück; die Postkutsche als Haupttransportmittel bezeichnete er als «sehr commode Sache […] um in kurzer Zeit viel Land zu sehen, und dennoch sich in den Stätten aufhalten zu können». Die vom Vater berappten Reisekosten beliefen sich dabei auf die stolze Summe von 5 000 Gulden (zum Vergleich: der Spalenhof, in dem sich heute das Theater Fauteuil befi ndet, wechselte 1732 für 10 000 Gulden den Besitzer).
Die unzähligen, in den fremden Ländern gesammelten Eindrücke liessen ihn jedoch zum Schluss kommen, «daß mir billich lieber sein solle, diese Reis gemacht zu haben, als wenn ich den Kosten davon geschenkt bekommen und zu Haus geblieben wäre».

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