Porträt des Johann Rudolf Merian-Zaeslin

Porträt des Johann Rudolf Merian-Zaeslin

Victor Attanasio, wohl Italien, 1895
Ölmalerei auf Leinwand
H. 86 cm, B. 72,5 cm
Inv. 1972.85.

Bildauflösung:
3444px x 4175px

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Geboren als Sohn des Samuel Merian-Reber in Oberhallau (TG), der dort die Pfarrstelle innehatte, besuchte der Basler Johann Rudolf Merian (1845–1906) zunächst die dortige Gemeindeschule, bevor er im Alter von zwölf Jahren zur weiteren Ausbildung in die pietistisch geprägte Anstalt Königsfeld im Schwarzwald geschickt wurde. Nach drei Jahren kehrte er zu seiner inzwischen wieder in Basel lebenden Familie zurück und besuchte die Gewerbeschule.
Danach durchlief Johann Rudolf Merian eine für seine Zeit übliche Ausbildung zum Kaufmann: Ein Jahr in einer Pension in Lausanne machte ihn mit der französischen Sprache vertraut, dann folgte eine vierjährige Ausbildung in einem Bankhaus. 1867 entsandte ihn sein neuer Arbeitgeber, das im Seidenhandel tätige Basler Unternehmen A. Vischer, nach Oberitalien. 1869 wechselte er zu einer Firma in Lyon, in deren Auftrag er im folgenden Jahr nach London ging. Zurück in Basel, entspann sich ein Kontakt zu dem im Seidengrosshandel tätigen Charles Ziegler, der ihn 1874 zuerst als Mitarbeiter, dann als Kompagnon für seine im japanischen Yokohama angesiedelte Firma gewann.
Die in Oberitalien gewonnenen Kenntnisse im Seidenhandel, aber auch die durch seinen Berufsweg erlangte Sprach- und Weltgewandtheit machten Johann Rudolf Merian für diese Aufgabe geeignet.
Fast zwanzig Jahre verbrachte er in Yokohama, wo er sich neben seinen Geschäften dem «Studium von Land und Leuten» widmete, wie es in seinem Nachruf heisst. 1887 heiratete er, während eines längeren Aufenthaltes in Basel, im Alter von 42 Jahren Susanna Zaeslin, die mit ihm nach Yokohama zog. 1893 kehrte die Familie nach Basel zurück.
Die Jahre bis zu seinem Tod verbrachte Johann Rudolf Merian-Zaeslin in Basel, politisch als Grossrat und gemeinnützig in zahlreichen Gremien tätig. Sein Engagement für die ethnografi sche Sammlung zeugt von seinem nicht nachlassenden Interesse an der japanischen Kultur.
In seiner Leichenrede heisst es: «Die Eigentümlichkeiten, die politischen und religiösen Sitten und Gebräuche jenes Volkes fanden bei ihm stetsfort bis an sein Ende ein grosses Interesse und eine sichere verständnisvolle Beurteilung.» Doch hatte er in Japan keine Wurzeln geschlagen, sondern blieb Beobachter: Bei allem Interesse für die japanische Kultur heiratete er doch eine Frau aus seiner Heimatstadt und Gesellschaftsschicht und kehrte nach Abschluss seiner geschäftlichen Tätigkeit nach Basel zurück, wo er in die üblichen gesellschatlichen Tätigkeiten eines wohlhabenden Ruheständlers eintrat.
Das Porträt, datiert 1895, entstand zwei Jahre nach seiner Rückkehr nach Basel und vermutlich anlässlich seines 50. Geburtstags. Der Maler Attanasio ist für Basel nicht bezeugt; vielleicht entstand das Porträt auf einer Italienreise.
Es ist recht konventionell und konzentriert sich auf die würdevolle Erscheinung von Rudolf Merian-Zaeslin.
Hinweise auf seine reichen Auslandserfahrungen und die vielen Jahre in einem fremden Kulturkreis fi nden sich nicht.

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