Porträt des Felix Platter

Porträt des Felix Platter

Porträt des Felix Platter
Abel Stimmer, Schaffhausen (?), 1578 datiert
Radierung
H. 26,5 cm, B. 21,3 cm
Inv. 1917.685.

Bildauflösung:
3263px x 4128px

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Felix Platter (1536–1614) war Sohn des aus dem Wallis und aus einfachsten und ärmlichsten Verhältnissen stammenden Thomas Platter (1499–1582), der es nach einem bewegten und anstrengenden Lebensweg schliesslich zum Drucker, Lehrer und Rektor der Lateinschule «auf Burg» in Basel gebracht hatte. Solche Umwege und Schwierigkeiten wollte er seinem einzigen Sohn Felix ersparen, und so wurde dieser mit knapp 16 Jahren zum Medizinstudium nach Montpellier geschickt. Er reiste, wie er ausführlich in seinem erhaltenen Tagebuch schilderte, über Fribourg und Genf, wo er Calvin aufsuchte und eine Predigt von ihm hörte («aber nüt verstund»). Weiter ging die Reise über Lyon und Avignon, wo ihn heftiges Heimweh packte («ein solch verlangen, in mein vatterlandt wider zereißen, ankommen, das ich in stal gieng zu meinem rößlin, umfi eng es und weinet»), bis er schliesslich, nach dreiwöchiger Reise, in Montpellier eintraf. Der Vater hatte den Studienort mit Bedacht ausgewählt, denn Montpellier galt neben Padua als der beste Studienort für Medizin.
Felix Platter bewegte sich an der Universität meist im Kreise der deutschsprachigen Studenten, die eine grosse, eng zusammengeschlossene Gruppe bildeten und ernsthaftes Studium mit geselligen Freuden zu verbinden wussten.
Die in zahlreichen Briefen geäusserten Ermahnungen der Eltern zielten auf Studienfl eiss, Erfolg und gottgefälliges Leben; insbesondere die Mutter hatte grosse Sorgen, er könne «ein schlumpe, die kein haußhalterin sy, zum weib nemmem, so bist du verdorben und wirt nichts auß dir».
Doch Felix Platter war ausreichend gewarnt und zu klug, sich seine Karriere durch eine unüberlegte Heirat zu verderben.
Nach Abschluss seiner Studien reiste er heim, allerdings nicht auf dem direkten Weg, sondern in zweieinhalb Monaten über Bordeaux, Tours, Orléans und Paris. Dort kaufte er bei dem Goldschmied Hans Jakob David, der aus Basel stammte, «ein kettelim von goldt» (Goldkettchen) zum Mitbringen nach Hause. Als er schliesslich nach viereinhalb Jahren Abwesenheit zurückkehrte, war er um einen Kopf gewachsen und ein Mann geworden. Er heiratete die von den Eltern gewählte Braut und legte in Basel sein Doktorat ab. Danach begann ein steiler Aufstieg zum Universitätsprofessor, erfolgreichen Verfasser grundlegender anatomischer Lehrbücher und Basler Stadtarzt.
Die Radierung des aus Schaffhausen gebürtigen Abel Stimmer (1542–1606) zeigt den 41-jährigen Felix Platter in einer Ädicula, die zahlreiche Hinweise auf sein erfolgreiches Wirken als Arzt und Anatom enthält: Vogel-, Fischund Affenskelett und Operationsinstrumente. Platter, modisch und elegant gekleidet wie es ihm stets sehr wichtig war, hält bekenntnishaft das Lehrbuch des Andreas Vesalius (1514–1564) in der Hand, der die neuzeitliche Anatomie begründet hatte.
Sein gleichnamiger Neffe Felix Platter (1605–1671) folgte seinem Vorbild und studierte ebenfalls in Montpellier, schloss aber auch noch Studien in Leiden und England an.

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