Porträt des Amateurmalers Hieronymus Emil Bischoff (1817-1841)
Malerei und Grafik

Porträt des Amateurmalers Hieronymus Emil Bischoff (1817-1841)

Basel, 1837/1841
Johann Ludwig Rudolf Durheim (1811-1895)
Öl, Leinwand
H. 54 cm, B. 42 cm (ohne Rahmen)
Inv. 2004.202.

Bildauflösung:
2089px x 2571px

CHF 40.00

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Als Gattung erst Anfang des 19. Jahrhunderts entstanden, ist das Interieur-Bild vor der Verbreitung der Fotografie die wichtigste Bildquelle zur bürgerlichen Wohnkultur. Ein solches Beispiel zeigt das Porträt des Amateurmalers Hieronymus Emil Bischoff (1817-1841), das neben zahlreichen weiteren Objekten aus der Sammlung Weber-Oeri im Jahr 2004 ins Museum gelangen konnte.

Das Ölbild zeigt als Momentaufnahme den aus wohlhabender Familie stammenden Tuchhändler in seinem Wohnkontext in der St. Alban-Vorstadt an der Staffelei beim Malen einer Landschaft. Aus seiner Leichenrede erfahren wir: «Einen besonderen Genuss gewährte ihm sein Talent zur Malerei, und auf allen seinen Reisen und Spaziergängen begleitete ihn sein Album, in welches er in unglaublich schneller Zeit die Schönheiten der Natur aufzeichnete, um dann später mit mehr Muse die Arbeiten zu vollenden, mit denen er seinen Eltern und Verwandten grosse Freude machte. ...» Ein solches Skizzenalbum steht aufgeschlagen auf dem Tisch in der linken Ecke des Bildes. Der Amateurmaler fixiert es konzentriert, während er gleichzeitig die Farben auf seiner Palette mischt. Seine korrekte Kleidung kontrastiert mit der ihn umgebenden bohemienhaften Unordnung: An die Wände sind Landschaftsskizzen gepinnt, Zeichenmappen lehnen ungeordnet unter dem Fenster, eine Hausmütze hängt an der Staffelei, die untere Schublade des Beistelltisches ist locker herausgezogen. Das Sammelsurium an Möbeln deckt unterschiedliche Stilepochen vom Rokoko bis zum Empire ab.

Wichtigen Zeugnischarakter besitzen solche Interieur-Bilder für die verlorenen textilen Ausstattungen und die Identifikation von Einrichtungsgegenständen. Die Staffelei mit dem für das Empire typischen Schwanenhalsmotiv z. B. hat sich im Museum erhalten (Inv.Nr. 1956.113.). Im Gegensatz zu den Museumsinterieurs, die nur teilweise authentische Einrichtungsensembles zeigen, können solch gemalte Interieurs als Bildquellen zur Einrichtung im sozialen Kontext betrachtet werden.

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