Porträt der Maria Sibylla Merian

Porträt der Maria Sibylla Merian

Johann Rudolf Schellenberg, Zürich, 1769
Radierung
H. 21,7 cm, B. 15 cm
Inv. 1999.303.

Bildauflösung:
2982px x 3881px

CHF 40.00

in den Warenkorb

Die Radierung von Johann Rudolf Schellenberg (1740– 1806) stammt aus dem Werk von Johann Caspar Füssli (1706–1781) «Geschichte der besten Künstler in der Schweitz», das 1769–1779 in fünf Bänden in Zürich erschien. Darin wird, wie in vielen anderen Schweizer Publikationen bis in die Gegenwart hinein, Maria Sibylla Merian (1647–1717) als Schweizerin und Baslerin angesehen. Andererseits wird sie mit gleicher Selbstverständlichkeit als Deutsche bezeichnet; sei es durch ihr Porträt auf der von 1992 bis Ende 2001 verwendeten 500 DM-Banknote, auf einer Dauermarke der Deutschen Bundespost oder zuletzt, im November 2009, in einer Sonderbeilage der Wochenzeitschrift «Die Zeit», wo sie in die Reihe «50 deutsche Vorbilder» aufgenommen wurde. Abgesehen davon, dass diese aussergewöhnliche Künstlerin und Naturforscherin für jegliche Form der begrenzenden Vereinnahmung vielleicht zu gross und zu unabhängig ist: Geboren wurde Maria Sybilla Merian als Frankfurter Bürgerin. Als sie 1647 in der Stadt am Main zur Welt kam, besass ihr aus Basel stammender Vater Matthäus Merian (Kat. 34) bereits seit über zwei Jahrzehnten das dortige Bürgerrecht; er starb drei Jahre nach ihrer Geburt. Ihr Stiefvater, der Blumenmaler Jacob Marrel übernahm ihre künstlerische Ausbildung. Von Frankfurt führte Maria Sibylla Merians Lebensweg 1670 nach Nürnberg, in die Heimatstadt ihres Mannes, des Malers Johann Andreas Graff, den sie 1665 geheiratet hatte. In Nürnberg entstanden und erschienen die drei Teile des «Blumenbuch» (1675–1680) sowie «Der Raupen wunderbare Verwandlung» (1679–1683). 1685 trennte sie sich von ihrem Mann, zog für einige Jahre zu einer strenggläubigen und abgeschieden lebenden Labadisten1 gemeinde nach Westfriesland und im Jahre 1691 schliesslich ins weltoffene Amsterdam. Von hier aus reiste sie zusammen mit ihrer Tochter zueiner zweijährigen Forschungsreise (1699–1701) nach Surinam, damals holländische Kolonie, wo sie das Material für ihr Kupferstichwerk «Metamorphosis insectorum Surinamensium» fand, das 1705 in Amsterdam erschien. Als ihr Hauptwerk wird es in der Radierung von dem Kind in der oberen Bildecke vorgewiesen.
Als Maria Sibylla Merian 1717 in Amsterdam starb, war sie immer noch Frankfurter Bürgerin. Ob sie jemals in ihrem Leben die Stadt Basel besucht hat, muss zweifelhaft bleiben.

Weitere Bilder zu "Malerei und Grafik"