Porträt der Barbara Thoma mit Friedrich August Meyer

Porträt der Barbara Thoma mit Friedrich August Meyer

Adolf Follenweider, Basel, 1848
Bleistiftzeichnung, weiss gehöht, auf braunem Papier
H. 15,8 cm, B. 13 cm
Inv. 2004.188.

Bildauflösung:
3087px x 3723px

CHF 40.00

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Im kleinen Format und in unaufwendiger Technik präsentiert sich diese Darstellung eines Kindermädchens mit dem von ihm betreuten Kind, dem zweijährigen Friedrich August Meyer zum Hirzen (1846–1928). Eine spätere Beschriftung auf der Rückseite des Rahmens lautet: «Barbara Thoma aus Ongstmattingen (Württemberg), unsere treue Magd, mit Friedrich August Meyer. Lavierte Zeichnung von Ad. Follenweider, Sohn, 1823–1895, kurz vor seinem einjährigen Studienaufenthalt in München 1848/49». Auch wenn die Zeichnung im Format recht bescheiden ist, so ist sie doch sehr bemerkenswert. Meist erscheinen die Kinder allein oder mit ihrer Mutter auf den Bildern; die Kindsmägde, die in den bürgerlichen Familien den grössten und anstrengendsten Teil der Betreuungsarbeit leisteten, sind kaum einmal porträtiert worden. Man sieht sie zwar häufi g auf Bildern mit Strassenszenen, wo sie als typisierte Staffagefi guren ein Kind an der Hand führen, es tragen oder im Kinderwagen schieben. Nur im Ausnahmefall wird ihnen ein so individuelles Erscheinen wie in dieser kleinen Zeichnung zugebilligt. Die namentliche Erwähnung hebt die Bedeutung ihrer Person noch mehr, und die Angabe ihres Herkunftsortes bekundet Interesse an ihrer Herkunft. Die Zeichnung ist von grosser Ernsthaftigkeit, ganz ohne genremässige Ausschmückung. Vertrauensvolle Selbstverständlichkeit kennzeichnet das Miteinander von junger Frau und zweijährigem Knaben; auf die Darstellung betonter Zärtlichkeit hat der Zeichner verzichtet. Man scheint diese Kindermagd von der Schwäbischen Alb (Onstmettingen ist heute ein Stadtteil von Albstadt) sehr geschätzt zu haben.
Sehr viele der Kindermädchen in den bürgerlichen Basler Haushalten stammten aus Baden oder Württemberg. Diese Regionen waren wenig industrialisiert und boten daher nur wenige Arbeitsplätze ausserhalb der Landwirtschaft; insbesondere die Schwäbische Alb mit ihrer Kargheit und Wasserarmut zwang viele Menschen zur Abwanderung auch in weiter entfernte Städte.
Der in der Beschriftung erwähnte Aufenthalt des Zeichners Adolf Follenweider (1823–1895) in München galt seiner weiteren Ausbildung beim Porträtmaler Joseph Bernhardt; es sollte seine einzige längere Abwesenheit von Basel bleiben.

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