Ofenplatte mit schreitendem Kranich
Ofenplatte mit schreitendem Kranich - 1
Ofenplatte mit schreitendem Kranich - 2

Ofenplatte mit schreitendem Kranich

Kandern (?) (D), um 1510
Vorbesitzer: Zunft zu Hausgenossen
Verkäufer: Emile Schneider
Eisenguss
H. 81 cm, Br. 48 cm, Gewicht 40 kg
Inv. 1905.11.

Bildauflösung:
2792px x 4466px

CHF 40.00

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Der Kranich aus der Familie der Stelzvögel wird etwa einen Meter gross. Er trägt krause Schwungfedern und lebt vorwiegend in Sumpfgebieten. In unseren Breitengraden erscheint er nur im Sommer zum Brüten. Den Winter verbringt er in Zentralafrika oder in Indien. Schon im Altertum erweckten die Züge der Kraniche, in einer Höhe bis zu 1500 Metern und in einem hinten offenen Dreieck geordnet, Bewunderung.
Die Ofenplatte mit dem schreitenden Kranich und die Ofenplatte mit der Madonna im Strahlenkranz (siehe S. 114) stammen wahrscheinlich nicht nur vom gleichen Meister, sondern vom gleichen Ofen aus dem Haus der Hausgenossenzunft. Beide Platten weisen stilistische und formale Ähnlichkeiten auf und können dem elsässischen Meister GF zugeschrieben werden. Eigentümlichkeiten dieses Meisters sind
die Rundbogen mit nach unten ausgezacktem Masswerk im oberen Plattenrahmen. Die Zwickel sind mit Blattranken gefüllt. Im Bogen-scheitel sitzt fast immer ein Vogel. Als Plattenbild bevorzugt der Meister Einzelfiguren, hier den prachtvollen Kranich, der vor einem Portalbogen einherschreitet. Meistens erkennt man leicht, dass Rahmenwerk und Plattenbild von verschiedenen Modeln stammen.
Die beiden Platten weisen identische Masse auf. Für die ursprüngliche Zusammengehörigkeit spricht noch ein weiteres Argument, nämlich das Bildprogramm. Nicht nur bei der Madonna, sondern auch beim
Kranich handelt es sich wahrscheinlich um eine religiöse Darstellung. In Anlehnung an die antiken Naturgeschichten rühmen die Kirchen-väter Basilius und Ambrosius, aber auch spätere Autoren wie Isidor
von Sevilla und Hrabanus Maurus den geordneten Flug, den Ge-meinschaftssinn und die Wachsamkeit des Kranichs. Wenn die Kraniche ruhen, hält ein Vogel Wache; damit er nicht einschläft, um-greift er mit einer Kralle einen Stein. So erscheint der Kranich in der mittelalterlichen Kunst als Symbol der Wachsamkeit. Unter verschiedenen Bedeutungen lebt er in der religiösen Allegorik der Re-naissance und des Barock weiter. Manchmal ist der Kranich als Christussymbol zu deuten. Diese Überlegungen stützen die These, dass die beiden Platten vom gleichen Ofen stammen. Das Bildprogramm dürfte von Christus und Maria gehandelt haben.

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