Medaille auf Friedrich Nietzsche

Medaille auf Friedrich Nietzsche

Otto Hofner, um 1910
Bronzeguss, patiniert
Dm. 6 cm
Inv. 2008.288.

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Zehn Jahre lang, von 1869 bis 1879, lehrte Friedrich Nietzsche (1844–1900) an der Basler Universität griechische Sprache und Literatur. Geboren in dem Dorf Röcken bei Leipzig, hatte er in Bonn und in Leipzig klassische Philologie studiert. Sein akademischer Lehrer in Leipzig, der anerkannte Altphilologe Friedrich Wilhelm Ritschl (1806– 1876), empfahl ihn für den Basler Lehrstuhl; er habe noch nie jemanden kennengelernt, «der so früh und so jung so reif gewesen wäre». Nach eilig erfolgter Promotion und ohne Habilitation, im Alter von nur 24 Jahren, wurde er nach Basel berufen, zunächst als ausserordentlicher, ab 1870 als ordentlicher Professor. Die Anstellung eines so jungen Gelehrten, dem dazu die übliche Qualifi kation fehlte, war sehr unüblich und muss als sehr mutiger Akt betrachtet werden.
Friedrich Nietzsche wohnte während seiner Basler Zeit im Haus Schützenstrasse 45 (heute 47), wo auch der Theologieprofessor Franz Camille Overbeck (1837–1905) eingemietet war, der in der Basler Zeit sein engster Freund war.
Nietzsche verfasste während des zehnjährigen Aufenthaltes in Basel seine ersten philosophischen Schriften: «Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik» (1872) und «Unzeitgemässe Betrachtungen» (1873–76), die kontrovers aufgenommen wurden. 1879 wurde er aufgrund fortgesetzter Krankheit frühzeitig pensioniert und führte – von seiner Pension und von der Unterstützung durch Freunde lebend – ein unstetes Wanderleben durch die Schweiz. 1889 erfolgte ein völliger geistiger Zusammenbruch. Danach verbrachte er, von Mutter und Schwester gepfl egt, mehr als ein Jahrzehnt in geistiger Umnachtung, bevor er 1900 starb.
Die nur einseitig ausgeführte Medaille des österreichischen Künstlers Otto Hofner (1879–1946) aus patinierter Bronze entstand einige Jahre nach dem Tode Nietzsches.
Sie zeigt ihn in der durch Fotografi en bekannten charakteristischen Physiognomie, mit dem mächtigen Schnauzbart und der hohen Haartolle. Ausser der Haartracht gibt es keine Hinweise modischer Art; der Modelleur betont die markanten Züge und den konzentrierten Blick des Dargestellten.
Durch den Verzicht auf Umschrift, Hintergrundgestaltung und zeitgenössische Kleidung wird der mittlerweile berühmte Philosoph in idealisierter und zeitloser Entrücktheit gezeigt. Der körperlich-seelische Verfall des letzten Lebensjahrzehnts wird nicht einmal angedeutet.

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