Likörkassette (Cave à liqueurs)
Likörkassette (Cave à liqueurs) - 1

Likörkassette (Cave à liqueurs)

Wohl Schweden, Anfang 19. Jh.
Kristallglas, geschliffen; Silberverschlüsse; Haifi schhaut über
Holzkern; Silbermontierungen
H. 20,5 cm, B. 22 cm, T. 19 cm
Inv. 1941.203.

Bildauflösung:
5098px x 4134px

CHF 40.00

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Die Kassette ist annähernd würfelförmig mit abgeschrägten Kanten auf dem Deckel; aussen ist sie mit Haifi schhaut, innen mit grünem Samt und Papier bezogen.
In ihr sind neun Flaschen aus dickwandigem Kristallglas untergebracht. Eingeschliffene Glasstöpsel und eng schliessende Silberkappen sorgen für einen sehr dichten Verschluss.
Ein niedriger Glasbecher, ein Trichter und eine kleine Fussplatte vervollständigen das Ensemble, das wohl als «cave à liqueurs», als Kassette für Likörfl aschen, anzusprechen ist. Materialien und Verarbeitung sind hochwertig, und das Gewicht von fast sechs Kilogramm, selbst bei leeren Flaschen, ist beträchtlich. Dementsprechend kostbar waren die in den Flaschen verwahrten Flüssigkeiten; Liköre waren, von Apothekern hergestellt, im 18. und 19. Jahrhundert Heil- und Genussmittel zugleich.
«Gustave IV Adolphe Roy de Suède à son ami hospitalier J. J. Handmann Basle 11. février 1811» lautet die eingravierte Beschriftung auf der silbernen Plakette, die auf dem Deckel der Kassette angebracht ist. Sie erweist dieses luxuriöse Objekt als ein Geschenk des 1809 abgesetzten Königs Gustav IV. Adolf von Schweden (1778–1837; regierte seit 1792, bis 1796 unter Vormundschaft) an den Basler Goldschmied Johann Jakob III. Handmann (1789– 1868). Dieser hatte den ehemaligen Herrscher mehrfach in seinem Haus in der Stadthausgasse aufgenommen. Da sich Kassette und Inhalt deutlich von den Basler Werken jener Zeit unterscheiden, ist zu vermuten, dass Gustav Adolf keine Neuanfertigung in Auftrag gab, sondern diese in seinem Besitz befi ndliche Kassette mit der Widmungsplakette versehen liess und sie seinem Gastgeber zum Geschenk machte.
1818 beschloss der abgesetzte Herrscher, der sich nun Oberst Gustafsson nannte, sich in Basel niederzulassen.
Er erhielt das Basler Bürgerrecht und erwarb ein bescheidenes Haus an der St. Johanns-Vorstadt 72. Glücklich wurde er weder in dem Haus noch in Basel. Bereits vier Jahre später verliess er verärgert die Stadt und legte im Januar 1826 das Basler Bürgerrecht nieder. Nach weiteren ruhelosen Wanderjahren durch Europa starb er 1837 in einem St. Galler Gasthof.

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