Legespiel "Meteor"

Legespiel "Meteor"

Rudolstadt (Thüringen/D), um 1910
Hersteller: Fa. Ad. Richter & Cie., Rudolstadt/Thüringen (D)
Karton; Ton, Holz
H. 2,5 cm, B. 21 cm, T. 21 cm (Schachtel)
Inv. 2011.493.

Bildauflösung:
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CHF 40.00

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„Meteor“ ist eines der vielen Unterhaltungsspiele, mit denen der Thüringer Unternehmer Friedrich Adolf Richter auf dem europäischen Spielwarenmarkt vertreten war. Sein wirtschaftlicher Erfolg beruhte nicht zuletzt auf einem massiven und geschickten Einsatz von Werbung. Damit bewarb er ein breites Angebot von medizinischen Hausmitteln, Süsswaren und Spielzeugartikeln. Sein erfolgreichstes Produkt waren die Baukästen mit Einzelelementen aus Kunststeinmasse; diese waren seit dem späten 19. Jahrhundert in sehr vielen allen bürgerlichen Kinderzimmern vertreten. Als Markenzeichen verwendete Richter das Anker-Signet, weshalb man diese Kästen auch als Anker-Steinbaukästen bezeichnete. Trotz vieler Versuche in der Werbung, die Steinbaukästen als Spielzeug für beide Geschlechter zu verkaufen, etablierten sie sich doch fast ausschliesslich als Spielzeug für Knaben. Geschäftstüchtig wie er war, suchte Richter nach passenden Angeboten für die Mädchen: Das Legespiel „Meteor“, mit dem nach Vorlagen verschiedene Muster aus farbigen Kugeln gelegt werden können, ist eines von ihnen. Der Deckel der Kartonschachtel, in der die Kugeln, Vorlagen und der Rahmen verwahrt wurden, zeigt eine Mutter mit zwei Kindern beim Spielen. Das Mädchen präsentiert stolz ein einfaches, aus Kugeln gelegtes Ornament, der Knabe hingegen baut hingebungsvoll eine anspruchsvolle Architekturfassade – im Gegensatz zu seiner Schwester ohne Vorlage. Darin spiegelt sich zum einen das tiefverwurzelte Rollenverständnis des 19. Jahrhunderts, andererseits aber auch Richters Vermarktungsgeschick: Durch die Abbildung des Steinbaukastens knüpft er mit „Meteor“ an dessen Bekanntheit an, zum anderen wirbt er erneut für sein Hauptprodukt. Sein geschäftliches Geschick offenbart sich auch in den Angaben unterhalb des Bildes. Die grossen Anker betonen die Zugehörigkeit von „Meteor“ zu den bekannten Anker-Produkten. Die Städtenamen verweisen auf ein weltumspannendes Vertriebssystem: Ursprünglich in Rudolstadt in Thüringen beheimatet, hatte Richter bald eine Niederlassung in der Spielzeug-Metropole Nürnberg gegründet und zudem Filialen in Wien, Olten, Rotterdam, New-York und St. Petersburg. Mag im Reigen dieser Weltstädte die Nennung von Olten verwundern, so erklärt sich das durch Oltens Verkehrsanbindung: Von Olten aus wurde per Bahn die ganze Schweiz erschlossen, zudem war damit die Verbindung nach Italien abgedeckt. Von Rotterdam aus wurde der transatlantische Handel betrieben – gemäss einem der Richterschen Werbesprüche: „Auch drüben in Amerika / ist Richter mit dem Anker da.“

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