Kabinettschreibtisch
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Möbel und Täfer

Kabinettschreibtisch

Basel, um 1730
Hersteller: Johannes Tschudy-Meyer (1672-1736) (Ebenist, Schreiner, Ingenieur)
Tanne (Blindholz), Einlagen aus verschiedenen einheimischen und einzelnen exotischen Hölzern in einem Nussbaumfond
H. 172,5 cm, B. 133 cm, T. 76 cm
Inv. 2007.159.

Bildauflösung:
2489px x 3780px

CHF 40.00

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Der aussergewöhnlich qualitätvolle Kabinettschreib-tisch ist ein grosszügiges Geschenk von Frau Dr. med. Marie-Agnes Massini. Das um 1730 entstandene Möbel befand sich zuvor als Leihgabe im Bürgersaal des Basler Stadthauses und hat nun im Haus zum Kirschgarten in der Tapisserienstube einen angemessenen, öffentlichen Ausstellungsort gefunden. Ein Parallelstück zu diesem Sekretär befindet sich im Holsteiner Hof, einer ehemaligen Besitzung der Markgrafen von Baden-Durlach an der Hebelstrasse in Basel (heute Verwaltungssitz des Kantonsspitals).Eine Reihe von Argumenten spricht dafür, dass dieser Kabinettschreibtisch wie auch sein Pendant im Holsteiner Hof vom Basler Ebenisten Johannes Tschudy für die Basler Residenz der Markgrafen von Baden-Durlach geschaffen wurde (hierzu S. 11ff).

Der zweischübige Tisch mit einem Schreibfach unter der zentralen Klappe ruht auf vier geschweiften, oben auffallend wuchtig ausgeführten und mit Bandelwerk geschmückten Beinen. Der Kabinettaufsatz, durch ein Gurtprofil nochmals gegliedert, hat ein mit zwölf Schubladen umrahmtes Türfach. Als eigenwillige Lösung fällt die im Kranzgesims verborgene, über die Profilbreite durchlaufende Schublade auf. Die geschweiften Tischbeine und abgerundeten Kanten an Tisch und Aufsatz zeugen, wie auch die Marketerie, vom spätbarocken französischen Einfluss auf dieses in der Umsetzung der Stilelemente gleichwohl "deutsche" Möbel. Das Blindholz ist Tanne, für die Einlagen in einen Nussbaumfond wurden verschiedene einheimische und einzelne exotische Hölzer genutzt. Die natürliche Farbpalette von Weiss-, Rot- und Brauntönen der verschiedenen Hölzer wird durch pilzverfärbte, grüne Holzeinlagen gezielt erweitert. Die überaus feine Marketerie ist im Doppelschnittverfahren hergestellt und von im Spätbarock üblichen Bandwerk- und Blumenmotiven (überwiegend Tulpen) geprägt. Sie trägt einzelne, charakteristische Züge, die einen individuellen Stil des Meisters verraten. So wird das Schlüsselschild an der Tischzarge von eigenwilligen, in der Mitte anschwellenden und brandschattierten Volutenspangen umfasst. Die gleiche Ornamentform findet sich auch auf der Tischplatte. Die Aufsatzseiten verziert das in Basel beliebte Motiv der achtzackigen Bastionsfüllungen. Hier sind sie allerdings in leicht gerundeter Form als Marketerie ausgeführt und werden aufwendig eingefasst durch ebenfalls brandschattierte, perspektivisch geschnittene Bänder.

Die zentrale Marketeriedarstellung befindet sich auf der Tür des Kabinettaufsatzes: Zwei mit den Köpfen einander zugewandte Papageien balzen mit Beerenzweigen im Schnabel um die gegenseitige Gunst; ein nicht nur im Höfischen Barock weit verbreitetes Motiv (vgl. auch Kabinettschränkchen HMB Inv. Nr. 1923.86.). Eine an Bändern aufgehängte Musiktrophäe unter dem rechten Papagei verweist auf Verdienste um Musik und Kunst: Beleg für Bildung und Schöngeistigkeit, mit denen wohl das Weibchen zu gefallen weiss. Die Waffentrophäe unter dem linken Papagei kennzeichnet diesen als Männchen, das mit auf dem Schlachtfeld bewiesenen Tugenden wie Entschlusskraft, Mut und Standhaftigkeit zu Ehren gekommen ist. Am Parallelstück im Holsteiner Hof sind die Plätze der Trophäen unter den Papageien vertauscht, so dass die beiden Prunkmöbel wohl für eine Aufstellung vis-à-vis gedacht waren. Handwerklich fällt die überaus grosse Sorgfalt auf, mit der das geschnittene, aufwendig gravierte Gefieder der Papageien, ja selbst die Hautfalten der Zehen und die Nasenlöcher der Schnäbel ausgeführt sind. Zwischen den Papageien, unter einer mit neun grossen Perlen besetzten Grafenkrone vereint, finden sich zwei heute leider leere Wappenschilde. Sie trugen sicherlich das aufgemalte Allianzwappen, vielleicht auch die Initialen, der adeligen Besitzer dieses Möbels. Das Motiv der neun Perlen wird in den Ecken der Tischplatte von perlenbesetzten, stilisierten Muschelfächern aufgegriffen, deren in Spitzen zulaufende Bandwerkeinfassung auf das zentrale Marketeriemotiv der unter einer Krone vereinten Papageien hinweist. Die Anlage der Marketerie lässt keinen Zweifel am fürstlichen Anspruch und Ansehen des Auftraggebers dieses Repräsentationsmöbels.

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