Holzkästchen mit Minneszenen
Holzkästchen mit Minneszenen - 1

Holzkästchen mit Minneszenen

Oberrhein, wohl Basel, 1. Hälfte 15. Jh.
Lindenholz, geschnitzt; teilweise mit bemaltem Papier
hinterlegt; Reste von Farbfassung
H. 10 cm, B. 19,6 cm, T. 11,3 cm
Inv. 1953.407.

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CHF 40.00

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Die wohl bedeutendste Neuerwerbung des Historischen Museums Basel im Jahr 1953 war dieses oberrheinische Holzkästchen, allseitig mit durchbrochen gearbeiteten Minneszenen geschmückt. Fast mehr als über mittelalterliches Liebesgebaren sagt es aber über politische Zeitläufte des 20. Jahrhunderts aus. Nach Basel gekommen ist es durch Werner Weisbach (1873–1953), habilitierter Kunsthistoriker aus vermögender Berliner Bankiers- und Kunstsammlerfamilie.
Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung hatte er wegen seiner jüdischen Herkunft seine Professur an der Berliner Universität verloren. Klarsichtig die kommenden Gefahren einschätzend, suchte er nach einem Weg, Deutschland zu verlassen. Mit Unterstützung des an der Universität Basel lehrenden Historikers Werner Kaegi (1901–1979) gelang ihm 1935 die Ausreise in die Schweiz. Basel, über dessen frühe Buchillustration er 1896 promoviert hatte, machte er zu seinem Aufenthaltsort und setzte seine Forschungen und Publikationen zur Basler Kunstgeschichte fort.
Werner Weisbach hatte bei seiner Ausreise aus Deutschland Teile seiner Bibliothek und Kunstsammlung retten können. Ihr allmählicher Verkauf – er besass zahlreiche Rembrandt-Grafi ken – half dem über 60-Jährigen, seine Existenz in der Schweiz zu sichern. Von dem künstlerisch und ikonografi sch hochbedeutenden Minnekästchen scheint ihn erst sein Tod 1953 getrennt zu haben; über seinen Nachlass gelangte das Kästchen 1953 in den Kunsthandel und in das Historische Museum Basel. Den Rest seines Vermögens vermachte er dem Werner Weisbach- Fonds der Jacob Burckhardt-Stiftung.

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