Glasmurmeln

Glasmurmeln

Lauscha (Thüringen)
zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts
farbloses Glas, mit Farbeinlagen
Dm. 3,2–4,5 cm
Inv. 1960.43.

Bildauflösung:
3731px x 4539px

CHF 40.00

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Rollende Faszination aus Glas und Farbe
Glugger, Murmeln, Klicker, Märbel – die Bezeichnungen sind so vielfältig wie die Erscheinungsformen, und das Spiel mit kleinen Kugeln aus Stein oder Ton gehört zu den ältesten und in vielen Kulturen vertretenen Kinderspielen.

Sehr viel attraktiver wurde das Spiel um 1850, als in Lauscha in Thüringen mit der Produktion von Glaskugeln begonnen wurde. In der seit langem ansässigen Glasindustrie Thüringens bestand reiche Erfahrung in der Bearbeitung dieses Materials, und so konnte hier die aufwendige Herstellung von Glaskugeln mit farbigen Glaseinschlüssen entwickelt werden. Zunächst wurden Glasstäbe mit eingeschmolzenen, spiralig gewundenen Farbeinlagen hergestellt.

Von diesen noch formbaren Stäben wurden einzelne Stücke abgetrennt, die dann mit der eisernen Märbelschere zu runden Kugeln gedreht wurden.

Die beim Abzwacken entstandenen Unebenheiten an zwei Stellen wurden später abgeschliffen; sie sind als kleine matte Flächen auf den Glaskugeln sichtbar.

Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts belieferte Thüringen ganz Europa und – als Hauptabnehmer – die Vereinigten Staaten mit Glasmurmeln verschiedenster Art. Die grossen, bunten Glaskugeln, vor allem jene mit den versilberten Keramikeinlagen in Tierform, sog. Sulphide oder Figurenmärbel, waren gesuchte Prachtstücke bei den spielenden Kindern, da sie neben ihrer Schönheit auch den höchsten Spielwert besassen. Nach dem ersten Weltkrieg, der die Thüringer Produktion fast zum Erliegen gebracht hatte, ging diese Vormachtstellung an die Vereinigten Staaten über, die nun Glasmurmeln industriell in grossen Mengen produzierten.

In einem normalen «Gluggersagg» mischten sich allerdings sehr unterschiedliche Murmeln: Die meisten Kugeln bestanden aus Ton und waren kleiner und bescheidener. Später kamen auch Stahlkugeln («Stahli») hinzu, die aus grossen Kugellagern gewonnen wurden und nur in sekundärer Verwendung als Kinderspielzeug dienten. Lange war das Spiel mit Gluggern ein saisonales Spiel und wurde vor allem im Frühling betrieben. Gespielt wurde überall, wo sich eine ebene Fläche finden und ein Loch graben liess. Auf Basels Strassen waren die Dolendeckel als Spielort sehr beliebt, da sich ihre mittlere Vertiefung wunderbar als Zielloch eignete.

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