Gästebuch des Forcartschen Gartens in Basel

Gästebuch des Forcartschen Gartens in Basel

Aubert Parent, Basel, 1810 (Titelblatt)
Einträge aus den Jahren 1811–1843
Papier, Ledereinband, aquarellierte Federzeichnung
H. 37,7 cm, B. 28 cm
Inv. 1986.99.

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CHF 40.00

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Das zweibändige, in Leder gebundene Gästebuch («SOUVENIR DES AMATEURS DE LA NATURE ET DE L’ART QUI ONT VISITÉ CE JARDIN DEPUIS LE PREMIER DÉC.EMBRE MD.CCC.X») ist eines der wenigen erhaltenen Zeugnisse dieses malerischen Landschaftsgartens, der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt Basel zählte. Hinter dem Württembergerhof (St. Alban-Graben 14) gelegen, stand er Besuchern zur Besichtigung offen. Um die Erinnerung an die vielen Reisenden festzuhalten, wurde dieses Gästebuch angelegt, in das sich die «Liebhaber der Natur und der Kunst» eintragen sollten. Es steht im Zusammenhang mit der letzten, 1810 abgeschlossenen Ausweitung des Gartens, deren Planung der vor der Französischen Revolution nach Basel gefl ohene, künstlerisch vielseitig begabte Franzose Aubert Parent (1753–1835; Kat. 121) übernahm. Er gestaltete auch die Eingangsseite des Gästebuches, das in Wort und Bild die Themen Natur und Kunst umkreist. Mit den Warenballen, dem Merkurstab und den Initialen FW wird auf den Handelsmann und Seidenbandfabrikanten Johann Rudolf Forcart-Weiss (1749–1834) hingewiesen, der den Garten seit 1792 besass und entscheidend prägte und erweiterte.
Einen Eindruck vom Garten vermittelt der 1840 erschienene Fremdenführer «Ein Tag in Basel»: «Der Garten [...] wird, sowohl durch seine Ausdehnung hier mitten in der Stadt, als auch durch seine höchst anmutigen Anlagen überraschen. Volieren, Treibhäuser, ein Teich mit einem chinesischen, glockenumhängten Dache überbaut, eine kühle Felsengrotte, schwebende Brücke, ein verdeckter Baumgang an dessen Ende sich ein Grabmal von Christen […] zeigt, Fontainen, Pavillons, eine kleine Meierei etc. dienen ohne Ueberladung zu seiner Zierde. Besonders interessant wird er durch zahlreiche Bautrümmer und sonstige Antiquitäten (Münzen u. dgl.) aus dem nahen Augst.» Auf insgesamt 178 beschriebenen Seiten fi nden sich über 6 000 Eintragungen aus etwas über dreissig Jahren.
Die Gäste kamen vor allem aus Basel und der Schweiz, aus dem angrenzenden Elsass und aus dem Grossherzogtum Baden.
Aber auch Besucher aus weit entfernten Teilen Europas sind vertreten: Turin, Siena, Madrid, Amsterdam, Paris, Nancy, Marseille, Kopenhagen und viele andere sind als Herkunftsorte verzeichnet. Engländer erscheinen in recht grosser Zahl, meist aus London stammend und in kleineren Gruppen reisend. Daneben fi nden sich auch im Ausland lebende Basler wie etwa Isaak Iselin-Roulet aus New York (1814) oder Johann Lukas Burckhardt aus Moskau (1816; Kat.
106). Auch (spätere) Berühmtheiten wie Benjamin Constant (1811), Carl Maria von Weber aus Wien (1811) oder der preussische Baumeister Karl Friedrich Schinkel (1824) waren unter den Besuchern.

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