Freudentanz vor dem Basler Rathaus

Freudentanz vor dem Basler Rathaus

Karl Eduard Süffert, Basel, 1866 datiert
Bleistiftzeichnung
H. 31,2 cm, B. 38,8 cm
Inv. 1961.15.

Bildauflösung:
4517px x 3618px

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«Aus Anlass des neuen Bürgerrechtsgesetzes 1866 – von Maler Süffert» lautet die Bezeichnung am unteren Blattrand der Zeichnung. Der beschwingte Freudentanz um den Freiheitsbaum vor dem Basler Rathaus hat nicht wirklich stattgefunden; er ist eher als symbolische Darstellung der Freude anzusehen. Diese bezog sich auf die Auswirkung der Eidgenössischen Volksabstimmung vom 14. Januar 1866, die zu einer Teilrevision der Bundesverfassung führte.
Darin wurde den Juden das Recht auf freie Niederlassung, Gewerbefreiheit sowie Gleichheit vor dem Gesetz zuerkannt.
Internationaler Druck hatte diese Verfassungsrevision vorangetrieben, nachdem in den vorangegangenen Jahren Frankreich, die Niederlanden und die Vereinigten Staaten den Abschluss von Handelsverträgen von der Niederlassungsfreiheit für Juden abhängig gemacht hatten.
Nachdem nach langen Auseinandersetzungen diese Freiheiten errungen worden waren, bestand ausreichend Anlass zur Freude, die in dem bewegten Tanz von Frauen und Männern, einige davon mit typischer, als jüdisch empfundener Physiognomie, um einen Freiheitsbaum vor dem Basler Rathaus geschildert wurde. Einige Mitglieder der aufspielenden Musikkapelle sind am unteren Bildrand namentlich bezeichnet und damit als Basler Unterstützer dieses weiteren Schritts auf dem Weg der Emanzipation der Juden gekennzeichnet.
Die soziale Ausgrenzung der Juden war damit noch nicht beendet, aber verfassungsrechtlich bewegten sich die Verhältnisse auf eine Normalisierung und Gleichstellung hin. 1872 wurden die ersten Juden in das Basler Bürgerrecht aufgenommen. Das Recht der freien Religionsausübung war 1866 auf Bundesebene abgelehnt worden, obwohl diese Frage im Kanton Basel-Stadt von der Mehrheit bejaht worden war. So dauerte es noch bis zur Totalrevision der Bundesverfassung von 1874, bis den Juden auch diese Freiheit zugestanden wurde. Erst danach waren sie den übrigen Schweizer Bürgern gleichgestellt und konnten wie diese erstmals Wohnort und Beruf frei wählen und ihre Religion uneingeschränkt ausüben.

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