«Feyerliche Pflanzung des Freiheits-Baums auf dem Münster-Platz zu Basel»
«Feyerliche Pflanzung des Freiheits-Baums auf dem Münster-Platz zu Basel» - 1

«Feyerliche Pflanzung des Freiheits-Baums auf dem Münster-Platz zu Basel»

Ludwig Friedrich Kaiser (Zeichner), Christian von Mechel
(Verleger), Basel, 1798
Radierung, koloriert
H. 29 cm, B. 39 cm
Inv. 1896.47.

Bildauflösung:
4409px x 3431px

CHF 40.00

in den Warenkorb

«An diesem Montag, den 22. Januar [1798] überbrachten einige Deputirte aus der Stadt den zu Liestal versammelten Ausschüssen der ganzen Landschaft einen pergamenten, mit goldnen Buchstaben geschriebnen Brief, durch welchen ihnen die Versicherung gegeben ward, daß von nun an die Landbürger die gleichen Rechte und Freÿheiten mit den Stadtbürgern geniessen sollen. Zu gleicher Zeit ward in Basel der Freÿheitsbaum aufgerichtet, auf den Schanzen wie auch zu Liestal (wohin deßwegen Canonen geführt worden) geschossen und dieser Tag im ganzen Land als ein Freudentag gefeÿert», so beschreibt der Basler Johann Rudolf Huber (1766–1806), Professor der Geschichte, Pfarrer in Strassburg, Riehen und Basel, die euphorische Aufbruchstimmung, die in der Stadt Basel und auf der Landschaft herrschte. Der Tanz um den zu dem Anlass errichteten Freiheitsbaum, die eigens gedichteten Lieder, der feierliche Akt im Münster – alles war angetan, die Hoffnungen auf eine völlige Veränderung der gesellschaftlichen und politischen Situation zu schüren. Umso herber fi el die Enttäuschung auf der Landschaft aus, als sich die Abschaffung der Feudallasten, vor allem die Zahlung des Zehnten, verzögerte und schliesslich durch neue Abgaben ersetzt wurde. Zahlungsverweigerung und ziviler Ungehorsam wurden im Oktober 1800 durch die Truppen des helvetischen Statthalters bekämpft und schliesslich durch französische Truppen niedergeschlagen. Der Glaube an die Segnungen der Helvetischen Republik war zutiefst erschüttert. Ihr Ende im März 1803 brachte zum Teil die Wiederherstellung der alten Ordnung, wie sie vor 1798 bestanden hatte; allerdings blieb die Rechtsgleichheit der Stadt- und Landbevölkerung bestehen.
Fast gleichzeitig mit dem Ende der Helvetik war ein Auswanderungsschub aus der Landschaft festzustellen: Mindestens 150 Menschen (die tatsächliche Anzahl war wohl weit höher) aus dem Kantonsgebiet entschlossen sich im Frühjahr 1803 zur Auswanderung nach Amerika.
Finanzielle Nöte, die Unsicherheit der politischen Lage und die Kränkung des Gerechtigkeitssinnes wurden als Gründe aufgezählt. Auch die Wiedereinsetzung der alten Ordnung wurde als ausschlaggebend genannt, wie der Waldenburger Armenschaffner und helvetische Distriktstatthalter Johannes Tschopp auf Anfrage nach Basel berichtete: «sehr gute Vaterlands liebende Männer [haben] schon öfters vor mir ausgesagt, ehe sie allenfahls wieder unter die Alte Ortnung der Dinge dreten, ehe werden sie Helvetien verlaßen.
»

Weitere Bilder zu "Malerei und Grafik"