Fassadenschrank von Johannes Tschudy (1672-1736)
Möbel und Täfer

Fassadenschrank von Johannes Tschudy (1672-1736)

Basel (?), um 1730-1735
Johannes Tschudy-Meyer (1672 - 1736) (zugeschrieben)
Blindholz Nadelholz, Furnier aus Nussbaum, Rosenholz und zahlreichen einheimischen Marketeriehölzern, Bein- und Perlmutteinlagen.
H. 242 cm, B. 158 cm, T. 72 cm
Inv. 2014.141.

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Der viertürige Fassadenschrank mit Auszugsplatte zeigt eine reiche Marketerie aus Bandelwerk, Vögeln und Blumenkörben, die wohl auf deutsche Vorlagen zurückgeht. Vergleichbare Motive waren zu dieser Zeit besonders im Württemberger Schreinerhandwerk verbreitet. Im geschweiften Kranzgesims befindet sich eine von Füllhörnern gerahmte Tugendallegorie, vielleicht mit der Vereinigung von Justitia und Pietas oder Justitia und Prudentia. Eindeutig identifizierbar ist nur Justitia dank ihrer Attribute Richtschwert und Waage. Die Allegorie beschwört folglich den Segen von gleichermassen gerechtem wie auch besonnenem, bzw. gottgefälligem Handeln, und damit Herrschaftstugenden. Der Auftraggeber dieses Möbels ist nicht bekannt. Die früheste bekannte Besitzerin ist Friederike Miville-Faesch (um 1780-1849), deren Mutter das Klybeckschlösschen in Kleinbasel besass. Der familiären Überlieferung zufolge stand der Aufsatzschrank im frühen 19. Jahrhundert Klybeckschlösschen. Das 1842 gemalte Porträt der Friederike Miville-Faesch gelangte ebenfalls als Schenkung in die Sammlung des HMB (Inv. 2014.142.)
Das Möbel kann aus stilistischen Gründen der Werkstatt des Johannes Tschudy zugewiesen werden, dem bedeutendsten Ebenisten der Barockzeit in Basel und zeitweiligen Hofschreiner unter Karl Wilhelm von Baden-Durlach. Die besondere Qualität und Kostbarkeit des Möbels wird durch die Verwendung von Beineinlagen, Perlmutt und dem exotischen Rosenholz betont. Die Schlüsselschilder wurden versilbert. Der Schrank ist eine herausragende Bereicherung der Möbelsammlung und ist im Haus zum Kirschgarten ausgestellt, wo auch weitere Werke von der Hand Tschudys zu sehen sind.

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