Familienbild Niklaus und Maria Magdalena Singeisen-Thommen

Familienbild Niklaus und Maria Magdalena Singeisen-Thommen

Joseph Reinhardt, signiert
Basel/Liestal, 1806
Ölmalerei auf Leinwand
H. 118 cm, B. 152 cm
Inv. 1919.65.

Bildauflösung:
5098px x 5650px

CHF 40.00

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Geborgenheit und privates Glück
Niklaus Singeisen (1770–1845) war Sohn eines Sattlers und selbst Metzger und Wirt. Im Alter von 27 Jahren hatte er 1797 die zwanzigjährige Magdalena Thommen aus Oberdorf geheiratet. Als Pächter des Gasthofs «Zum Storchen», später als Besitzer «Zum Wilden Mann» in der Freien Strasse, wirtschaftete er in der Stadt Basel.

Das Geburtsjahr 1805 des jüngsten und frühverstorbenen Sohnes Johann Friedrich, im Arm der Mutter, sichert die Datierung des Bildes 1806. Im Jahrzehnt nach der unblutigen Revolution in Basel und damit dem Ende des Ancien Régime präsentiert sich eine Familie der ländlichen Oberschicht natürlich und selbstbewusst. Mit dem nackten Arm der Mutter oder mit dem betonten Kinderpopo und dem keck ins Bild gesetzten Unterschenkel im Vordergrund wird diese Natürlichkeit gegen die Schicklichkeit ausgespielt und unterstrichen.

Alle sechs Dargestellten fixieren mit ruhigem Blick den Betrachter und stärken damit das geschlossene Auftreten der Gruppe und den Eindruck familiären Zusammenhalts. Dieser kommt auch in der Bildkomposition und in den zärtlichen Gesten der Eltern gegenüber ihren Kindern zum Ausdruck.

Ohne ablenkendes Beiwerk der höfisch-aristokratischen Bildnistradition des 18. Jahrhunderts konzentriert sich das Bild ganz auf das Thema der Familie als Ort des privaten Glücks und der Geborgenheit. Die Liebe zu den Kindern und deren spontane Erwiderung wird als familiäre Tugend herausgehoben.

Den gesellschaftlichen Aufstieg der Familie Singeisen und die Orientierung des Vaters nach Frankreich hin bezeugt ein von ihm 1822 an Maurice de Talleyrand in Paris gerichteter Brief. Er bittet darin den französischen Minister um Protektion für seinen 1798 geborenen Ältesten. Ein knappes Jahr später erschoss sich der Sohn im Turmzimmer des Binninger Schlosses, das die Singeisens seit 1817 besassen. Auch die jüngste Tochter Barbara sollte den gesellschaftlichen Konventionen nicht entsprechen: Ihre 1842 geborene Tochter Sophie Singeisen entsprang einer unehelichen Verbindung mit einem verheirateten Partner aus der Basler Oberschicht.

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