Familienbild Johann Rudolf und Anna Faesch-Glaser
Familienbild Johann Rudolf und Anna Faesch-Glaser - 1

Familienbild Johann Rudolf und Anna Faesch-Glaser

Hans Hug Kluber, Basel
1559 datiert und signiert
Ölmalerei auf Leinwand
H. 127,5 cm, B. 207,5 cm
Inv.1997.51.

Bildauflösung:
4547px x 5098px

CHF 40.00

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Reich an Kindern und an Ämtern
Für die reformierte Basler Oberschicht im 16. Jahrhundert ist das Faeschische Familienbildnis ein anschauliches, repräsentatives Bilddokument. Es ist das früheste Basler Beispiel einer solchen Darstellung im häuslichen Interieur bei Tisch. Die schon seit 1409 in Basel eingebürgerten Faeschs gehörten zu den wohlhabenden Familien der von den Zünften regierten Stadt. Das Familienoberhaupt, der Goldschmied Johann Rudolf I Faesch (1510–1564), war Zunftmeister zu Hausgenossen und bekleidete einflussreiche öffentliche Ämter.

Die Renaissancemode bestimmt die Szene: Die Männer tragen ein geschlitztes Wams und zum Teil modische, mit Bändern verzierte und über den Knien gebundene farbige Hosen, auch beim Vierzehnjährigen mit betonter Schamkapsel; standesgemässes Attribut ist der Schweizerdolch. Die Frauen und auch die kleinen Mädchen tragen farbige, zum Teil zweifarbige Röcke, darüber weisse Schürzen und dazu Gürtel aus silbernen Ketten, daran hängend Besteckköcher und Beutel. Alle Dargestellten haben eine Kopfbedeckung auf, bei den unverheirateten Mädchen ist es ein Haarnetz oder ein Myrtenkränzchen als Symbol unberührter Jungfräulichkeit.

Der 1529 geschlossenen Ehe von Hans Rudolf I Faesch mit der Tochter des Glasmalers Antony Glaser entstammten nach der Auflistung auf der Tafel im Hintergrund sechs Söhne und sechs Töchter. Ausser zwei früh verstorbenen sind alle zehn Kinder zusammen mit den Eltern, die auf der Fensterbank sitzen, dargestellt, vom jüngsten, fünfjährigen Sohn und späteren Goldschmied Jeremias, der links vor dem Tisch hockt, bis zum ältesten, dem 27-jährigen Hans Rudolf II, der ebenfalls Goldschmied war. Die drei ältesten Kinder, die 1559 bereits verheiratet waren, haben am Tisch Platz genommen und werden von den jüngeren Geschwistern bedient. Die angeheirateten Familienmitglieder sind nicht zum Bildnis zugelassen.

In der Komposition und in der Darstellung der einzelnen handelnden Personen folgt das Bild in auffälliger Weise einem Nürnberger Holzschnitt von Georg Pencz von 1534, der ein Gedicht von Hans Sachs zum anständigen Benehmen bei Tisch, eine sog. «Tischzucht», illustriert.

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