Evangelisches Abendmahlsgerät: Brotschale und Kelch
Evangelisches Abendmahlsgerät: Brotschale und Kelch - 1
Goldschmiedekunst

Evangelisches Abendmahlsgerät: Brotschale und Kelch

Basel, 1. Drittel 20. Jh.
Inschrift 1931
Goldschmied: Ulrich Sauter (1854-1933)
Kelch wohl von Karl A. Dietschy (1897-1970)
Brotschale: getrieben, Kreuzarme, Standring und Randwulst
ausgeschnitten und aufgelötet
Kelch: Silber, gedrückt, getrieben, graviert
Kuppa innen vergoldet
Medaillons gegossen und aufgelötet
Brotschale: H. 3,5 cm, Dm. 27,7 cm,
Gewicht 485,6 g
Kelch: H. 20 cm, Dm. 10,5 cm,
Gewicht 505,9 g
Inv. 2003.312.1.-2.

Bildauflösung:
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CHF 40.00

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Der Basler Goldschmied Ulrich Sauter (1854 -1933), dessen Werk im Historischen Museum Basel gut vertreten ist, hat eher selten Aufträge für sakrales Kultgerät ausgeführt. Deshalb ist es umso interessanter, dass eine silberne Brotschale und ein dazugehöriger Kelch für die Sammlung erworben werden konnten. Zudem konnte im reichhaltigen Konvolut von Zeichnungen und Skizzen von Ulrich Sauter, die das Historische Museum Basel aus dessen Werkstattnachlass besitzt, eine Entwurfszeichung mit Aufsicht und Querschnitt der o.g. Brotschale (Inv. Nr. 1997.1.1027.) identifiziert werden.

Eine sowohl auf dem Kelch als auch auf der Brotschale in Majuskeln gravierte Widmungsinschrift - «IN USUM S.S. SACRAMENTORUM BAPTISMI ET CENAE ECCLESIAE ORPHAN. / BASIL . OLIM CARTHUSIAE JOANNES HENRICUS FICHTER PASTOR HUIUS / TEMPLI PER XXXII ANNOS D.D. SEPTUAGENARIUS MCMXXXI» - bezeugt, dass Hans Heinrich Fichter (1861-1947) beide Gegenstände im Jahre 1931 als 70jähriger der Basler Waisenhauskirche schenkte, wo er von 1894 bis 1926 als Pfarrer gewirkt hatte. Wahrscheinlich sind die Gegenstände vor 1931 - nicht zeitgleich, da die jeweilige Meistermarke «U. Sauter» nicht mit dem gleichen Prägestempel geschlagen wurde - gefertigt und die Inschrift erst zum Zeitpunkt der Schenkung im Jahre 1931 eingraviert worden. Der Kelch ist wohl eine Arbeit von Karl Dietschy, der die Werkstatt «Sauter» ab 1930 weiterführte.

Nebst dieser Inschrift beschränkt sich das ikonographische Bildprogramm dieser zwei liturgischen Gefässe auf wenige Motive, die auf mittelalterliche Vorbilder zurückgreifen.

Auf dem Fuss des Kelches sind die Evangelisten-Symbole in gegossenen Medaillons dargestellt und markieren die schwach ausgebuchteten Ecken der Vierpassform. Die Brotschale weist die gleiche Vierpassform auf, jedoch mit stärker prononcierten Ausbuchtungen. Ein gleichschenkliges Kreuz erscheint als Relief in der vertieften Fläche der Schale. An den vier Enden der sich nach aussen leicht verbreiternden Kreuzarme hat der Goldschmied jeweils den Kopf, die Füsse und je eine Hand Christi in Treibarbeit aus dem Silber herausgeformt, ein Motiv, das im Mittelalter am Rande von Weltkarten - z.B. auf der Ebstorfer Weltkarte aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts - auftaucht. Der Kopf Christi weist nach Osten, die Füsse stehen im Westen und mit den Händen im Süden und Norden umspannt der Pantokrator die ganze Welt. Der Körper Christi liegt somit als zu ergänzendes Bild symbolisch und während des Abendmahles in Form des Brotes im Zentrum der Schale.

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