Erinnerungsporträt des Leonhard Euler

Erinnerungsporträt des Leonhard Euler

Bartholomäus Hübner (Stecher), Christian von Mechel (Verleger)
Basel, 1786
Radierung
H. 21 cm, B. 14,5 cm
Inv. 1940.104.

Bildauflösung:
3587px x 4540px

CHF 40.00

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Die Radierung diente als Frontispiz der Lobrede des Nicolaus Fuss auf Leonhard Euler (1707–1783), der im Alter von 76 Jahren in St. Petersburg gestorben war.
Nicolaus Fuss (Basel 1755–1826 St. Petersburg) war dort zehn Jahre lang sein Sekretär gewesen. Die Würdigung, die er kurz nach Eulers Tod in der Versammlung der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg verlesen hatte, wurde, ins Deutsche übersetzt, 1786 in Basel publiziert. Die Herstellung lag ausschliesslich in Händen von Baslern. «In diesem Werk ist alles von hier, ein wahres opus Basileense. Der Belobte, der Lobende, der Drucker, der Schriftschneider, der Papierer und der Graveur, alles von einem Ort», schwärmte Christian von Mechel (Kat. 40), der für die Ausstattung mit Bildern verantwortlich war. Diese betont baslerische Zusammenarbeit galt einem international tätigen und grossräumig denkenden Gelehrten, der in Basel zwar prägende Impulse empfangen, die Stadt aber im Alter von 20 Jahren verlassen hatte.
Wegen der grösseren Wirksamkeit seines Schaffens hatte er den besseren Bedingungen an den neugegründeten und stark geförderten Akademien der Wissenschaften in Berlin und St. Petersburg den Vorzug gegeben und 1748 sogar einen Ruf an die Basler Universität ausgeschlagen.
Wie es die vierzeilige lateinische Bildunterschrift angibt, geht das dem Nachruf vorangestellte Porträt auf ein Ölgemälde zurück, das Emanuel Handmann (1718– 1781) 1756 in Berlin gemalt hatte und das sich damals im Besitz des Christian von Mechel befand (heute in der so genannten Professorengalerie der Alten Aula der Universität).
Die Radierung ist keine getreue Wiedergabe des ganzen Gemäldes, das – im rechteckigen Format – den Gelehrten an einem Tisch sitzend und in einem Buch blätternd zeigt. Der für die Radierung gewählte ovale Bildausschnitt führt zu einer stärkeren Konzentration auf das Gesicht. Sein erblindetes rechtes Auge ist – anders als auf dem Gemälde – kaum vom linken unterschieden. Da die Umsetzung vom Gemälde in die Druckgrafi k zu einer Seitenumkehrung führte, wäre damit sein linkes Auge geschlossen gewesen. Vielleicht um diese verfälschende Darstellung zu vermeiden, wurden die beiden Augen einander angeglichen. Der wie eine Steininschrift gestaltete Text mit dem Wappen der Familie Euler, die astronomischen Instrumente sowie die mächtige Architekturrahmung geben dem Blatt einen denkmalartigen Charakter. Auch der oberhalb des Rahmens schwebende Sternennimbus gehört zu der postumen Würdigung und Überhöhung des grossen Gelehrten.

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