Dreibeinpfanne

Dreibeinpfanne

1786
Kupfer-Legierung
mit ebonisiertem Holzstiel
H. 12 cm, Dm. 14,5 cm, L. 38,5 cm
Holzstiel L. 14,5 cm
Inv. 1898.116.

Bildauflösung:
4467px x 5280px

CHF 40.00

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Zum Kochen von Brei
Die Masse der kleinen Dreibeinpfanne mit Holzstiel deuten darauf hin, dass sie für die Zubereitung kleiner Mengen oder gar einer Einzelportion gedacht war. Die Pfanne, an deren Beinen Tierfüsse angedeutet sind, diente zum Kochen auf dem offenen Feuer. Der lange Stiel mit Holzgriff ermöglichte die Handhabung an der Feuerstelle. Dass die Pfanne der Zubereitung von Säuglingsnahrung diente, zeigt ein signifikantes Ornament in der Mitte des Stiels an der sonst ohne viel Schmuck gearbeiteten Pfanne: zwei Wickelkinder, die in einer Wiege liegen. An der Seite der Wiege sind die Knöpfe zu erkennen, die dazu dienten, die Kinder mit Schnüren in der Wiege festzubinden und sie damit vor dem Herausfallen zu schützen und die Decken zu fixieren.

Die am Stiel eingravierten Initialen M.I.B. sowie die Datierung 1786 an der Unterseite des Stiels lassen vermuten, dass die Pfanne 1786 anlässlich einer Geburt hergestellt und geschenkt wurde. Obwohl zwei Kinder dargestellt sind, ist nicht anzunehmen, dass es sich dabei um eine Zwillingsgeburt handelte.

Zum einen ging die Geburt von Zwillingen nur selten glücklich aus.

Zudem unterscheiden sich die Kinder deutlich in ihrer Grösse. Ein vergleichbares Pfännchen aus dem 17. Jahrhundert im Besitz des Münchner Stadtmuseums zeigt ebenfalls zwei Kinder in einer Wiege. Die Vermutung liegt näher, dass die Pfanne zwar für das erste Kind, jedoch im Hinblick auf weiteren Kindersegen geschenkt wurde.

Da das Stillen durch die Mutter oder eine Amme nicht selbstverständlich war, musste auf tierische Milch oder Brei zurückgegriffen werden. Die Mehlpappe bestand aus Milch, Mehl und Zucker. Dass diese Ersatznahrungen den Säuglingen nicht gut bekamen, schrieb auch Jean-Jacques Rousseau 1762 in seinem Erziehungsroman «Émile»: «Man hat eingesehen, dass Brei keine sehr gesunde Speise ist.» Die Sterblichkeit unter den so ernährten Kindern lag denn auch viel höher als bei den gestillten. Der ernährungsphysiologisch richtigen Zusammensetzung von Säuglingsnahrung kam man aber erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf die Spur.

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