Gebäckmodel
Drei Model mit grossem Wickelkind - 1

Drei Model mit grossem Wickelkind

Drei Model mit grossem Wickelkind
wohl Basel
erste Hälfte des 19. Jahrhunderts
Obstbaumholz, geschnitzt
L. 15,5–23,6 cm, B. 7–11,6 cm
Inv. 1896.190.a., 1896.190.g.,
1913.613.

Model mit Vorder- und Rückseite
eines Wickelkindes
wohl Basel, um 1820/40
Obstbaumholz, geschnitzt
L. 17,3 cm, B. 5,9 cm
Inv. 1913.614.

Model in Form eines Wickelkindes
wohl Basel, Ende des 18. Jahrhunderts
Laubbaumholz, geschnitzt
L. 11,2 cm
Inv. 2001.247.

Model mit zwölf Wickelkindern
wohl Basel, um 1820/40
Obstbaumholz, geschnitzt
L. 28,4 cm, B. 12 cm
Inv. 1896.190.p.

Model mit zwanzig Wickelkindern
wohl Basel
erste Hälfte des 19. Jahrhunderts
Obstbaumholz, geschnitzt
L. 16,9 cm, B. 11,1 cm
Inv. 1913.608.

Bildauflösung:
2125px x 1540px

CHF 40.00

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Für erhofften Kindersegen
Darstellungen von Wickel- oder Fatschenkindern in streng stilisierter Form, eng in Wickelbänder gehüllt und mit einer Haube geschmückt, finden sich sehr häufig auf Gebäckmodeln aus Holz oder Ton. Damit wurde Backwerk ausgeformt, das in vielen Regionen eine wichtige Rolle bei den Hochzeitsfeierlichkeiten spielte. Oft schmückten gebackene Wickelkinder die Brauttorte oder waren an einer hölzernen Storchfigur befestigt. Auch gab es die Sitte, Kuchen in Form von Fatschenkindern zu schenken, wenn man zu einer Hochzeit eingeladen war. Selbst das Gebäck, das während der Feier an die Gäste verteilt wurde, war häufig mit Säuglingsdarstellungen verziert.

Die Abbilder der Neugeborenen auf Modeln und Backformen sind von sehr unterschiedlichem Format und können von wenigen Zentimetern bis zu ungefährer Lebensgrösse reichen. Während die kleineren Holzmodel meist zur Ausformung von feinen Eierzuckerteigen dienten (je nach Region als Aenisbrötli oder Springerle bezeichnet), wurden in grossen, innen glasierten Formen aus Irdenware Kuchen und Brote gebacken.

Bei zweien der Holzmodel fällt die Vielzahl der dargestellten Wickelkinder ins Auge; ein Model zeigt zwölf, ein anderes zwanzig. Das ist ein bei Modeln ungewöhnlicher Umstand: Sonst variieren stets die Motive, und kein Bild wiederholt sich. Bei einer Hochzeit wurden aber grosse Mengen dieser einen Darstellung benötigt, die auf diese Weise zügig hergestellt werden konnten.

Daneben kommt der hohen Zahl der Wickelkinder wohl auch eine inhaltliche Bedeutung zu. Sie deutet auf den erhofften reichen Kindersegen. Ein oder zwei Nachkommen allein sicherten angesichts der hohen Kindersterblichkeit weder die Familienkontinuität noch die Versorgung der Eltern im Alter. Eine grosse Kinderschar war daher die Hoffnung und der Wunsch für jedes neuvermählte Paar und führte zu der starken Präsenz von Säuglingsdarstellungen im Hochzeitsbrauchtum.

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