Die Renaissance in Basel

Die Renaissance in Basel

Ernst Stückelberg, Basel, 1874 datiert
Ölmalerei auf Leinwand
H. 37 cm, B. 85 cm
Inv. 1998.192.

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Ernst Stückelberg (1831–1903), aus einer alten und wohlhabenden Basler Bürgerfamilie stammend, war im 19. Jahrhundert einer der bekanntesten Schweizer Maler von Porträts, Historien- und Genrebildern. Die in der Schweiz zu jener Zeit mögliche Ausbildung zum Künstler bestand darin, einen angehenden Maler zu einem bekannten und ausgewiesenen Künstler in die Ausbildung zu geben; die Möglichkeit zur Ausbildung an einer Kunstakademie war noch nicht gegeben. Für Ernst Stückelberg hatte seine Familie den erfolgreichen Kirchenmaler Melchior Paul von Deschwanden in Stans in Erwägung gezogen.
Doch der mit der Familie Stückelberg verwandte Kunsthistoriker Jacob Burckhardt (1818–1897) riet stattdessen zum gründlichen, akademischen Studium und empfahl dazu die Antwerpener Akademie. Dort stand die zu jener Zeit besonders hoch geschätzte Historienmalerei in voller Blüte. Während seiner Ausbildung dort von 1850 bis 1852 empfi ng Stückelberg prägende Eindrücke und schloss Freundschaft mit dem Maler Anselm Feuerbach (Kat. 110).
Eine anschliessende Reise nach Paris, die vor allem den Gemälden des Louvre galt, machte ihn auf dem Wege des Kopierens mit der Malweise von Meistern des 17. Jahrhunderts bekannt. Danach, von 1853 bis 1856, setzte er seine Ausbildung an der Münchener Akademie, einem weiteren Zentrum der Historienmalerei, fort. Der erste von zahlreichen und ausgedehnten Aufenthalten in Italien führte ihn in den Jahren von 1856 bis 1859 durch grosse Teile des Landes.
Die Erfahrung Italiens ist in seiner 1874 entstandenen Ölstudie «Die Renaissance in Basel» deutlich spürbar.
Auf der Plattform des Basler Münsters, die in helles, südliches Licht getaucht ist, sieht man prominente Vertreter der Renaissance in Basel. Hans Holbein d. J. (Kat. 131) zeichnet einen sitzenden, völlig in sein Buch versunkenen Kartäusermönch, mit dem vielleicht der letzte Prior der Balser Kartause, Hieronymus Zscheckenbürlin (1461–1536) gemeint ist. Bonifacius Amerbach und sein Sohn Basilius betrachten das entstehende Werk. Die anderen Figuren sind als Oekolampad mit seiner Frau Wibrandis Rosenblatt (Kat. 103) und als Erasmus von Rotterdam (Kat. 133) mit Buchdrucker Johannes Froben zu benennen. Die Zusammenstellung der Personen ist, was ihre Aufenthaltszeit in Basel bzw. ihre Lebensdaten angeht, historisch nicht ganz korrekt, versammelt aber in künstlerisch überzeugender Form die für die Renaissance und Reformation in Basel wichtigsten Persönlichkeiten.
Ernst Stückelberg, der sich nach seiner Heirat 1866 dauerhaft in Basel niedergelassen hatte, entwickelte sich zu einem in Basel sehr geschätzten Porträtisten. Seine Karriere als Historienmaler gipfelte in der Ausmalung der Tellskapelle (1878–1882), zwischen Sisikon und Flüelen am Ufer des Urnersees (Vierwaldstättersees) gelegen.

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