Darstellung der Ankunft der Bourbaki-Soldaten am Basler Bahnhof

Darstellung der Ankunft der Bourbaki-Soldaten am Basler Bahnhof

Jakob Senn, Basel, 1871
Aquarellierter Lichtdruck
H. 22,9 cm, B. 29 cm
Inv. 1988.479.

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Zum Teil intensiv diskutierend und mit dem Finger zeigend, vorwiegend aber wortlos, halb misstrauisch, halb mitleidig, jedenfalls genau beobachtend und etwas ratlos – so stellt der Liestaler Maler Jakob Senn (1790–1881) die Reaktion der Baslerinnen und Basler auf die Ankunft der Bourbaki-Soldaten im Februar 1871 dar. Verwundet, einbandagiert, an Krücken gehend, kurz: Vom Krieg gezeichnet erreichte der französische Tross unter der Aufsicht einiger weniger bewaffneter Schweizer Soldaten die Rheinstadt. Was hat es damit auf sich? Im Sommer 1870 erklärte Napoleon III. von Frankreich seinem Widersacher Wilhelm I. von Preussen den Krieg, wurde jedoch bald vernichtend geschlagen und gefangengenommen.
Während die preussischen Truppen Paris belagerten, liefen alle Versuche der neuen republikanischen Regierung, die Hauptstadt zu befreien, ins Leere.
So rieb sich auch die Armée de l’Est, nach ihrem General Charles Denis Sauter Bourbaki (1816–1897) «Bourbaki- Armee» genannt, zunehmend auf und wurde an die Schweizer Grenze zurückgedrängt. Nach einem misslungenen Rückzugsversuch wollte sich General Bourbaki das Leben nehmen, scheiterte aber tragischerweise auch hierin. Sein Nachfolger, General Justin Clinchant (1820–1881), sah als einzige Chance die Flucht durch die Schweiz. Der junge Bundesstaat gewährte der besiegten Armee vorübergehenden Aufenthalt unter der Bedingung der vollständigen Entwaffnung und Internierung. So passierten anfangs Februar 1871 etwa 87 000 französische Soldaten die Grenzen zu den Schweizer Juratälern. Während diese Sensation die Seiten der Weltpresse füllte und die Soldaten froh waren, endlich die Waffen niederzulegen, setzte der Bundesrat für die Kantone Aufnahmekontingente fest. Basel mit seinen 45 000 Einwohnern wurden 1 423 Soldaten zugewiesen (zum Vergleich: Zürich erhielt fast 3 500 Internierte). Das unbürokratische Vorgehen der Behörden, der erstmalige Einsatz des Roten Kreuzes sowie Hilfe, Spenden und Wohlwollen breiter Teile der Bevölkerung ermöglichten den abgezehrten Flüchtlingen ein menschenwürdiges Asyl in der Schweiz. Denn die Soldaten mussten nicht nur interniert, sondern auch ernährt, gekleidet, medizinisch versorgt und unterhalten werden.
Als die Franzosen nach dem Friedensschluss mit Preussen wieder in die Heimat zurückkehren konnten, war den Gastgebern ihr Dank sicher, wie unzählige überschwängliche Briefe beweisen. Doch nicht allen war eine Rückkehr beschieden, gegen 1 700 von ihnen starben im Schweizer Asyl an den Folgen des Krieges. Ein stiller Zeuge des Schicksals dieser Unglücklichen fi ndet sich unweit des Nordosteingangs des Kannenfeldparks in Form eines Denkmals für die in Basel verstorbenen Bourbaki-Soldaten.

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