Citrinanhänger an Gliederkette
Kleidung und Accessoires

Citrinanhänger an Gliederkette

Pforzheim (D), um 1890-1895
Citrin, Facettenschliff, vergoldete Silberfassung
H. 8,9 cm (Anhänger)
L. 45 cm (Kette)
Inv. 2005.371

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CHF 40.00

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Der Anhänger besteht aus zwei grossen, facettiert geschliffenen Citrinen, die von einem zierlichen Filigranwerk umsponnen werden. Der Citrin, oft fälschlich als «Goldtopas» bezeichnet, ist ein gelber Quarz, und im 19. und frühen 20. Jahrhundert ein beliebter Schmuckstein. Seine dekorative Wirkung war - bei vergleichsweise niedrigem Preis - beachtlich. Sein warmer Gelbton ergibt in Kombination mit der vergoldeten Fassung ein warm schimmerndes, kostbar und erlesen wirkendes Schmuckstück.

Dieser Anhänger ist ein charakteristisches Werk der Pforzheimer Schmuckindustrie am Ende des 19. Jahrhunderts. Sie hatte sich zu dieser Zeit - wie auch die Kunstgewerbeschule Pforzheim - weitgehend dem Historismus verschrieben. In diesem Fall orientierte sich der Entwerfer deutlich an Schmuckstücken aus dem frühen 19. Jahrhundert, welche den gleichen Kontrast zwischen grossen Flächen und zierlichen Ornamenten besitzen. Doch im Gegensatz zu den historischen Vorbildern kommt grossen Steinen mehr Bedeutung zu. Sie sind die Hauptsache; die rein ornamental gehaltene Goldschmiedearbeit nimmt sich sehr zurück.

Mit dieser Haltung stand die Pforzheimer Fertigung in deutlichem Kontrast zu den modernen, vor allem von Frankreich ausgehenden Tendenzen des Jugendstils. Künstler wie René Lalique brachten bewegte figürliche Formen und einen hohen künstlerischen Anspruch in die Welt des Schmucks hinein, und die Fertigkeiten von Ziseleur und Kleinplastiker wurden wieder stärker gefordert. Dieser Gegensatz zum modernen Schmuckschaffen führte zu Kritik und Reformbewegungen innerhalb der deutschen Schmuckindustrie. Rücklin, Lehrer an der Kunstgewerbeschule Pforzheim und Verfasser des 1901 erschienen Werkes «Das Schmuckbuch» schrieb über den traditionellen Pforzheimer Schmuck: «Drahtbiegungen und Steine spielten schliesslich die Hauptsache. Hand in Hand ging damit eine Verzierlichung und Formenscheu des Geschmacks, welche jeder Fläche, jeder plastisch ausgedrückten Darstellung aus dem Wege ging, welche schliesslich den ganzen Schmuck schliesslich in ein glitzerndes Linienspiel auflöste. Wie dies gewöhnlich zu gehen pflegt, fiel damit eine Tendenz der Mode zusammen, welche gebot, den Schmuck möglichst reserviert zu halten, welche in dekorativ wirksames Schmuckstück für unfein erklärte.» So repräsentiert der Anhänger das qualitätvolle, aber etwas blutleer gewordene Schmuckschaffen der Jahrhundertwende, in das der Jugendstil mit sinnlicher Kraft und mit phantasievoll kombinierten Naturformen hineinbrach.

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