Blaues Seidenkleid

Blaues Seidenkleid

Basel, um 1880
Seide, in Reservetechnik bedruckt
Perlmuttknöpfe
L. 60 cm
Inv. 1963.15.

Weisses Baumwollkleidchen
Basel, um 1865/70
Baumwollreps, Baumwollkordel
Baumwollspitze
L. 46,5 cm
Inv. 1977.169.

Bildauflösung:
4937px x 4937px

CHF 40.00

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Feine Mädchen aus guter Familie
Das weisse Baumwollkleidchen ist trotz seiner Einfarbigkeit von demonstrativer Pracht. Ein umlaufend aufgelegter, kürzerer Zierrock mit fünf halbrund endenden Schösschen, überreich mit Fransen und Kordeln besetzt, sorgt für ein bewegtes Oberflächenrelief. Das Weiss des Kleides, sehr beliebt bei bürgerlichen Kinderkleidern bis in den Beginn des 20. Jahrhunderts, spricht deutlich vom Wohlstand der Eltern. Ein kleines Kind, das sich zwangsläufig noch häufig beschmutzte, in makelloses Weiss kleiden zu können, deutet auf einen grossen, reich mit Personal ausgestatteten Haushalt. Da sie häufig gewaschen werden müssen, ist bei weissen Kleidern ausserdem eine grössere Garderobe erforderlich als bei unempfindlicheren Farben. Weiss galt ausserdem als Zeichen der Unschuld; ganz konkret liess makellos weisse Kleidung auf ein gut erzogenes und gehorchendes Kind schliessen. Vor diesem ganzen, jedem damaligen Betrachter bewussten Hintergrund diente ein so gekleidetes Kind dem Prestige der stolzen Eltern.

Das ungefähr fünfzehn Jahre später entstandene blaue Seidenkleid ist in seiner geraden, leicht ausgestellten Form vergleichsweise schlicht. Es entspricht den Forderungen von reformorientierten Kreisen, dass nämlich das Gewicht des Kleides auf den Schultern liegen und der Stoff von dort frei, ohne Einschnürung, herabfallen solle. Der leuchtend blaue Stoff kontrastiert lebhaft mit den weissen Biesen, so dass es auch in Hinsicht auf eine heitere Gesamterscheinung ein zukunftsweisendes Kinderkleid ist.

Die kurzen Ärmel der beiden Kleider sind Charakteristika von Kinderkleidung.

Erwachsene Frauen jener Zeit mussten tagsüber auch an heissen Sommertagen langärmelige und hochgeschlossene Oberteile sowie bodenlange Röcke tragen. Die luftige Bequemlichkeit der kurzen Kleider und Ärmel war ein Vorrecht der kleinen Kinder. In den Detailformen sind bei beiden Kleidchen deutliche Anlehnungen an die gleichzeitige Damenmode erkennbar.

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