Bittstellerszene in einer Baselbieter Amtsstube
Malerei und Grafik

Bittstellerszene in einer Baselbieter Amtsstube

wohl Basel, um 1830
signiert AB (Achilles Benz?, 1766-1852)
Papier, Gouache über Bleistift
H. 26,7 cm, B. 33 cm
Inv. 2003.104.

Bildauflösung:
1851px x 1504px

CHF 40.00

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Das HMB erwarb 2003 zwei Aquarelle, die mit den Initialen AB (Achilles Benz?) signiert sind. Sie geben Einblick in zwei Amtsstuben: die eine im Baselbiet (bzw. im Herrschaftsgebiet des Fürstbischofs), die andere in Basel-Stadt. Durch die Butzenscheiben einer holzgetäferten Stube fällt Licht auf eine Szene mit fünf Beteiligten. Ein Mann und eine Frau in ärmlicher, teils ausgebesserter Kleidung stehen drei Amtsmännern gegenüber.

Inschriften, Initialen und Datierungen zieren Wände, die Decke und die Fensterlaibungen des Raumes. Einige Daten und Inschriften erinnern an wichtige historische Ereignisse wie den Beitritt Basels zur Eidgenossenschaft (1501) oder die Französische Revolution (1789). Eine aufgehängte Tafel mit Wappen, Namen und Datierungen vom 15. bis ins 18. Jahrhundert erinnern an frühere Amtsmänner.

Der rote Basel- bzw. Bischofsstab zwischen zwei Basilisken oberhalb der Tafel weist die Szene in das Untertanengebiet des Fürstbischofs (oder wenn das Bild nach der Kantonstrennung entstand, in den Basellandschaftlichen Kantonsteil, wobei das Wappen noch nicht durch die sieben Kugeln aktualisiert worden wäre). Die vielen bildlichen und textlichen Anspielungen sind allerdings für den heutigen Betrachter schwer zu entschlüsseln. Der Maler thematisiert in diesem Aquarell - ähnlich wie in dem baselstädtischen Pendant - durch typisierte Personendarstellungen das Verhältnis zwischen Volk und Obrigkeit.

Die Umsetzung des Themas erfolgt mit Ironie: Körperhaltung, Gestik und Verhalten der drei Staatsvertreter verraten mässiges Interesse an den Bedürfnissen der beiden Bittsteller. Zwei von ihnen schaukeln mit dem Stuhl, der mittlere, Uniformierte kommentiert ihre Anwesenheit mit einer abwertenden Geste. Vielleicht würden sie sich lieber dem Wein auf dem Fensterbrett zuwenden.

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