Bildplatte «Die gute Mutter»

Bildplatte «Die gute Mutter»

Manufaktur Paul Hannong
bemalt von Johann Nikolaus Lutz
Strassburg, 1757/58
Fayence, bemalt in Aufglasurtechnik
(Purpurcamaïeu)
H. 27,2 cm, B. 22,7 cm
Inv. 1995.236.

Bildauflösung:
3456px x 4339px

CHF 40.00

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Inbegriff der liebevollen Mutter
Die Platte zeigt eine Bäuerin mit ihren fünf Kindern im Innern eines ärmlichen Bauernhauses. Die Kinder sind eng um die Mutter versammelt, das jüngste – im Zentrum des Bildes – trinkt halb schlafend an der mütterlichen Brust. Solche als Wandschmuck angefertigten Keramikplatten aus der Strassburger Manufaktur sind nur in sehr wenigen Fällen überliefert. Die Malerei ist ausserordentlich fein und übertrifft in ihrer Qualität fast alles, was man aus der Strassburger Manufaktur kennt.

Das Thema der glücklichen guten Mutter war im 18. Jahrhundert sehr verbreitet. Darstellungen wie diese sind Teil einer Aufwertung von Mütterlichkeit und Mutterschaft im Zuge der Aufklärung. Die Mutterrolle wurde in den Debatten der Aufklärer zur wahren und natürlichen Bestimmung der Frau erhoben. Ein wichtiger Bestandteil dieser Neubewertung der Mutter war die Stillpropaganda. Die Mutter, die ihr Kind selbst stillte, wurde zum Inbegriff der guten Mutter. Hier wird das Thema am Beispiel einer Bäuerin dargestellt.

Es zeigt sich darin die für das 18. Jahrhundert ebenfalls typische Glorifizierung des Landlebens, dessen vermeintliche Idylle als Gegenbild zu den höfischen Zwängen galt.

Die Adressatinnen solcher Botschaften waren die bürgerlichen Frauen.

Nicht nur in bildlichen Darstellungen, sondern auch in Zeitschriften, Frauenzimmeralmanachen und Taschenbüchern für Damen wurden ihnen die Pflichten einer Mutter vielfältig vor Augen geführt. Vor allem die Frauen des gebildeten Bürgertums, die mit der aufklärerischen Literatur vertraut waren, verinnerlichten das neue Rollenbild. Sie verstanden das Stillen nun als ihre heiligste Pflicht und litten, wenn sie dem Ideal nicht entsprachen. So schrieb die Zürcherin Regula von Orelli über die Zeit nach der Geburt ihres dritten Kindes: «säugen konnt ich nicht mehr als 6 Wochen – O wie wollt ich beschreiben können – was in mir vorging – wie mein Leiden beschreiben.»

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