Betende Alte von Georg Schweigger (1613-1690)

Betende Alte von Georg Schweigger (1613-1690)

Nürnberg, 1641 datiert
Bildhauer: Georg Schweigger (1613 - 1690)
Laubholz, sehr dicht und homogen, nachträglich braun lasiert, vermutlich Buchsbaum
Reliefschnitzerei, Kanten gehobelt, dort Vergoldungsreste und Reste einer Grundierung (?)
H. 13,8 cm, B. 10,2 cm, T. 2,8 cm
Inv. 2012.218.

Bildauflösung:
5315px x 5168px

CHF 40.00

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Im Zusammenhang mit einer grosszügigen Schenkung von Vera und Rosemarie Le Grand ist die Sammlung um ein höchst qualitätvolles, kleinformatiges Relief des 17. Jahrhunderts erweitert worden. Dargestellt ist eine innig betende alte Frau. Das Schnitzwerk beeindruckt durch seine Detailgenauigkeit und charaktervolle Darstellung. So verweisen die zahlreichen Falten im Gesicht der Frau nicht nur auf das Alter, sondern auch auf ihr emotionales Gebet. Nahezu krampfhaft scheint ihr Bitten zu sein: Am Hals stehen die Sehnen hervor und an den gefalteten, feingliedrigen Händen zeichnen sich feine Blutäderchen ab. Auch Details des Gesichtes sind von erstaunlicher Naturtreue: so kommen im Mund nicht nur die Zunge, sondern auch faule Zähne zum Vorschein. Selbst die einfache Kleidung, das nach hinten gekämmte Haupthaar und der lange Zopf sind ausgesprochen sorgfältig herausgearbeitet. Der geschickte Bildschnitzer wählte für seine Arbeit das dichte und homogene Buchsbaumholz, welches eine solch charaktervolle und anatomisch detailreiche Bearbeitung in kleinsten Dimensionen ermöglichte.
Ein alter, falsch geschriebener Zettel führte auf die Spur eines bekannten Nürnberger Künstlers. Da das Andachtsbildchen in einem frühklassizistischen und somit nicht originalen Rahmen an das HMB gekommen war, entschied man sich für eine Abnahme des Objektes vom Rahmenbrett. Zum Vorschein kam das eingeschnittene Monogramm GS und die in Tusche geschriebene Signatur samt Datierung: GEORG SCHWEIGGER BILTHAUER IN NURNBERG 1641.
Georg Schweigger (1613-1690) war wohl der bedeutendste Bildhauer Nürnbergs und einer der herausragenden Künstler im 17. Jahrhundert. Er stellte Grabmäler für Könige und reiche Bürger her, baute den weit herum bekannten und viel gerühmten Neptunbrunnen für den Nürnberger Hauptmarkt (heute in St. Petersburg) und arbeitete an Altären sowie Kruzifixen. Zudem restaurierte er das Kruzifix von Veit Stoss in der Kirche St. Sebald und schuf nach dessen Vorbild mehrere Kruzifixe, die in Graz, Koblenz und Bannio erhalten geblieben sind.
Das neu in die Sammlung des HMB eingegangene Relief Schweiggers ist im Zusammenhang mit seinen Kleinkunstwerken nach deutschen Künstlern der Renaissance, allen voran Albrecht Dürer, zu betrachten. Der Bildhauer verarbeitete druckgraphische Werke, unter anderem von Cranach, Weiditz oder Dürer. Diese Objekte aus Kalkstein, Bronze oder Holz waren als Kunstkammerstücke sehr beliebt. Dabei ging es nicht um nachahmerische Kopistenarbeit, sondern um die selbstbewusste Anbindung an die hochstehende künstlerische Tradition Nürnbergs und Deutschlands. Dies zeichnet sich ganz besonders in der Signatur ab, die auf verschiedenen seiner Werke – und eben auch auf unserem Relief – zu finden ist. Die etwas ungelenke Handschrift muss als individuelle Geste verstanden werden und zeichnet Schweiggers Selbstbewusstsein als eigenständiger Künstler aus.

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