«Baßlerische Ausruff=Bilder»

«Baßlerische Ausruff=Bilder»

David Herrliberger, Zürich, 1749
Radierungen, koloriert; gebunden
H. 12,2 cm, B. 18,7 cm (oben); H. 33,5 cm, B. 18,5 cm (unten)
Inv. 1894.147.
Inv. 1992.136.

Bildauflösung:
4877px x 3860px

CHF 40.00

in den Warenkorb

1749 erschienen die 52 Darstellungen umfassenden «Baßlerische Ausruff-Bilder» des Zürcher Stechers und Verlegers David Herrliberger (1697–1777). Er hatte im Jahr zuvor eine entsprechende Serie der Zürcher Strassenhändler publiziert. Diese Gattung von Grafi ken war seit dem 16. Jahrhundert bekannt und erlebte während des 18. und 19. Jahrhunderts eine besonders grosse Verbreitung, sei es als «Les Cris de Paris», «The Cryes of the City of London» oder «Hamburger Kaufrufe». Kaum eine grössere Stadt war ausgenommen; die Vielzahl und Vielfalt der sich in grossen Städten tummelnden Strassenhändler machten sie zu einem geeigneten Darstellungsthema. Wie auch in anderen grösseren Städten kamen in Basel Händler aus unterschiedlichen Regionen zusammen. Einige lebten in der näheren Umgebung und handelten mit verderblichen oder geringwertigen Waren; meist waren es Frauen und Kinder, die Früchte, Blumen, Käse oder auch Brennholz feilboten.
Flickhandwerker wie Scherenschleifer, Korb- und Kesselfl icker sind Vertreter traditioneller ambulanter Gewerbe, die fast bis in die Gegenwart anzutreffen waren. Weitere Händler, fast ausschliesslich Männer, waren auf saisonaler Wanderung und verkauften Waren, die während des Winters in Heimarbeit gefertigt worden waren; der Mausefallenhändler ist ein Beispiel dafür. Nicht alles war an jedem Tag zu bekommen; der Kochlöffelverkäufer weist mit seinem Spruch ausdrücklich darauf hin, dass er nur jedes Vierteljahr komme, also vermutlich zu den vierteljährlich stattfi ndenden Fronfastenmärkten. Waren, die nicht überall anzutreffen waren, wurden teilweise über weite Distanzen getragen, so wie die Feuersteine, deren Verkäufer vermutlich aus Frankreich kamen. Dass gerade solche Händler nicht nur Erzeugnisse lieferten, sondern an den diversen Orten auch Neuigkeiten erfuhren und verbreiteten, erfährt man mit dem Spruch des Schiefertafelhändlers aus Glarus: «Der Glarner lauft mit seinen wahren / In alle Welt: kann viel erfahren.»

Weitere Bilder zu "Malerei und Grafik"