Bahrtuch der Zunft zu Brotbecken
Bahrtuch der Zunft zu Brotbecken - 1

Bahrtuch der Zunft zu Brotbecken

Herstellungsort unbekannt, 14. Jh.
Inv. 1884.161.

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CHF 40.00

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Im Mittelalter waren die Zünfte stark religiös ausgerichtet und nah-men aktiv am kirchlichen Leben teil. In Basel waren alle Zünfte zugleich auch Bruderschaften. Im Münster unterhielten sie bis zur Reformation einen Kronleuchter, für den sie regelmässig das Wachs stifteten. Kirchliche Feiern boten den Zünften die Möglichkeit zur religiösen Selbstdarstellung. Die Rangunterschiede der Zünfte kamen etwa bei Prozessionen zum Ausdruck. Religiöse Repräsentation und soziale Fürsorge zeigten sich besonders im Totengeleit für verstorbene Zunftbrüder. Die Zunft nahm am Begräbnis teil, sie sorgte unter Um-
ständen für Totenmesse und Totengedächtnis und übernahm bei mit-tellosen Zunftbrüdern allenfalls die Beerdigungskosten. In der Sorge um den Verstorbenen, aber auch in der Sorge um die Witwe und die Halbwaisen erwies sich die Zunft in einer Zeit der nichtvorhandenen staatlichen Sozialfürsorge als wertvolle Solidargemeinschaft.
Zeugnis der religiösen Verankerung der Zünfte ist das erhaltene Bahrtuch der Zunft zu Brotbecken. Auf einem Stück Seidenbrokat wiederholt sich der Rapport viermal in der Höhe und sechsmal in der Breite: Vor einem gewundenen Ast liegt ein grosser Granatapfel, darüber steht
auf einem Zweig ein Löwe mit schlagendem Schweif. Über einer Riesen-blüte erscheint in einem Nest ein Vogel mit gezackten Schwanzfedern. Ein Raubvogel greift ihn an. Dem aus Oberitalien importierten Stoff nähte man in Basel in den Ecken vier seidengestickte Wappen der Zunft zu Brotbecken auf. Bei Bestattungen von Zunftangehörigen schmückte das Tuch den Sarg. Bei der Feier der Jahrzeit konnte es auf den Katafalk gelegt werden. Es handelt sich um den in den Zunftakten genannten «pannus aureus» (goldenes Tuch). Durch Oxidation der Silberfäden ist der ursprüngliche kostbare Glanz des Seidenbrokates verloren gegangen.
Das Bahrtuch dokumentierte einerseits die Zugehörigkeit des Toten zum Handwerk der Brotbecken, andererseits auch die Solidarität der Zunftgemeinde mit dem Verstorbenen und dessen Angehörigen. Es ist ein eindrückliches Zeugnis für den Sozialverband der Zunft.

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