Ankündigungsblatt mit Seehund

Ankündigungsblatt mit Seehund

Entstehungsort unbekannt, um 1620/23
Holzschnitt
H. 20,5 cm, B. 33,5 cm
Inv. 1983.36.

Bildauflösung:
4517px x 3039px

CHF 40.00

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«Kunth und zuwissen sey iedermänniglich das alhier ankommen ein gar seltzames schönes Meerwunder / welches lebendig und am Gewicht 70. Pfundt schwer / soll einem ieden der es begehrt zusehen umb ein geringe verehrung gewisen werden» – so lautet die Beschriftung oberhalb der Darstellung eines Seehundes, der handschriftlich noch das Datum «Anno 1623 8. Decembr.» beigefügt wurde. Der Text erweist das Blatt als einen Schaustellerzettel. Mit Blättern dieser Art, meist – wie in diesem Fall – ein Einblattholzschnitt, versuchten durchreisende Schausteller das Publikum für ihre Vorführungen zu gewinnen. Es fehlt auf dem Blatt jeder Hinweis auf den Ort der Präsentation, und auch das Datum ist nur handschriftlich eingetragen.
Das lässt vermuten, dass diese Darstellung in grösserer Anzahl gedruckt und an den verschiedenen Orten, wo das Tier gezeigt wurde, jeweils entsprechend aktualisiert wurde. Die nachgetragene Datumsangabe könnte den Zeitpunkt seines Basler Aufenthaltes bezeichnen. 1623 waren die zoologischen Kenntnisse durchaus so, dass man die Familie der Seehunde in Gelehrtenkreisen bereits kannte.
Der Zürcher Gelehrte Conrad Gessner (1516–1565) bezeichnet den Seehund in seinem Werk «Ausführliche Beschreibung und lebendige Conterfactur aller unnd jeden Fischen …» (1598) als «Meerkalb, so in dem hohen Meer gesehen wirdt». Doch mit dem Begriff auf dem Werbeblatt «gar seltzames schönes Meerwunder» zog das Tier aus der Fremde sicherlich noch mehr zahlende Besucher an.
Was sie dann zu sehen bekamen, entsprach der Darstellung: Diese ist im Wesentlichen zoologisch korrekt und ohne dramatische Verzerrungen. Der Hinweis, dass es sich um ein lebendiges Tier handelte, war notwendig und umsatzsteigernd, denn vielfach wurden auch präparierte Tiere für Geld zur Schau gestellt. Die beiden Fische, die vor dem Seehund liegen, betonen zum einen seine stattliche Grösse; zum anderen wurde dadurch angedeutet, dass dieser Seehund lebendig war und gefüttert werden musste. Das geschah vermutlich publikumswirksam während der Vorführungen.

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