Ankleidepuppen: die deutsche Kaiserfamilie (mit Garderobe)
Spiele und Spielzeug

Ankleidepuppen: die deutsche Kaiserfamilie (mit Garderobe)

um 1912
Herstellungsort unbekannt
Chromolithographie, ausgeschnitten
H. 24,2 cm (Kaiser)
H. 24,5 cm (Kaiserin)
Inv. 2004.134.1.-65.

Bildauflösung:
5451px x 1344px

CHF 40.00

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Vom 3. bis zum 6. September 1912 machte der deutsche Kaiser Wilhelm II. einen Staatsbesuch in der Schweiz, um die Manöver des 3. Schweizer Armee-korps zu beobachten. Auf dem Weg in die Ostschweiz passierte er Basel und hielt sich «mit einem grossen und glänzenden Gefolge wenige Minuten auf dem Bundesbahnhof auf» (Basler Stadtbuch 1912), wo er von einer Delegation der Basler Regierung und mit Kanonendonner begrüsst wurde. Er empfing «die Spitzen der deutschen Kolonie von Basel» und verlieh auf dem «geschmackvoll dekorierten» und polizeilich abgesperrten Bahnhof rasch einige Orden. Der Kaiser wurde vom grössten Teil der Basler Bevölkerung, wie überhaupt von den Deutschschweizern, begeistert empfangen. Die Reaktionen in der Westschweiz waren eher distanziert, jene der Linken entschieden kritisch.

Der hohe Rang des Besuchers und die immense Prachtentfaltung des wilhelminischen Hofes übten vor allem auf die Kinder des Gastlandes eine sehr grosse Faszination aus, und so stieg die Nachfrage nach Spielzeug mit Darstellungen des Kaisers und seiner Familie. Vor allem Ankleidepuppen aus Papier, die Kaiser und Kaiserin, das Kronprinzenpaar und seine Kinder zeigen, scheinen damals in Basel recht zahlreich gewesen zu sein. Die Kinder des Thronfolgerpaares liessen sich mit normaler, bequemer Tageskleidung wie auch mit kleinen Prunkuniformen bekleiden - und schliesslich bis zur Unterwäsche entkleiden. Die Kronprinzessin konnte man immerhin noch bis zum Unterkleid entblössen, doch bei den anderen hohen Herrschaften war der Blick «darunter» verwehrt: Bei ihrer Bekleidung konnte man nur zwischen verschiedenen Uniformen bzw. Roben wählen. Die hier abgebildeten Papierpuppen entstanden ungefähr zur Zeit des Schweizbesuches und dienten als Spielzeug in einer pietistisch geprägten Basler Familie.

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