Adelsbrief für Bürgermeister Johann Rudolf Wettstein

Adelsbrief für Bürgermeister Johann Rudolf Wettstein

Augsburg, 27. Mai 1653
Pergament, Siegellack, Wachs, Holz
H. 32 cm, B. 25 cm
Inv. 1995.301.
Depositum der Jenny Adèle Burckhardt-Stiftung, Basel.

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Im 17. Jahrhundert befand sich Frankreich in einem unaufhaltsamen Aufstieg zur europäischen Grossmacht.
Seit 1601 berührte das Königreich eidgenössische Grenzen bei Genf und in der bernischen Waadt. Nachdem 1634 das Oberelsass französisch geworden war, grenzte auch die Nordwestschweiz an Frankreich. Vor Basel stand eine Grossmacht. Das Elsass war für Basel seit Jahrhunderten Kornkammer und Weinkeller gewesen. Der Basler Bürgermeister Johann Rudolf Wettstein (1594–1666) empfand die Entwicklung als Bedrohung. Sein politischer Freund, der Urner Landammann Sebastian Peregrin Zwyer (1597–1661), meinte denn auch, die Eroberung des Oberelsass durch Frankreich sei ein weiterer Nagel im Sarge Basels. Wettsteins Sympathien galten den alten Verhältnissen und damit den Habsburgern.
Im November 1650 reisten Wettstein und Zwyer im Auftrag der Tagsatzung an den Kaiserhof nach Wien.
Kaiser Ferdinand III. sollte das Reichskammergericht anweisen, die 1648 ausgesprochene Unabhängigkeit der Schweiz vom Heiligen Römischen Reich anzuerkennen. Der Kaiser kam den Wünschen der beiden Schweizer sofort entgegen, erwartete aber von ihnen, dass sie sich in der Heimat für die österreichischen Belange einsetzen und die Anlehnung der Schweiz an Frankreich aufl ockern würden. Die Allianz mit Frankreich lief nämlich 1651 ab und sollte erneuert werden. Der Kaiser liess sogar durchblicken, dass er den Verzicht der schweizerisch-französischen Allianzerneuerung wünschte. In den folgenden Jahren setzten Wettstein und Zwyer sich tatsächlich für eine ausgewogenere Aussenpolitik ein, weniger aus Dankbarkeit gegenüber dem Kaiser, sondern aus eigener Überzeugung.
Mit dem Adelsbrief von 1653 an Wettstein ging es nicht um Gunsterweis, sondern um die Absicht politischer Einfl ussnahme. Am gleichen Tag wie Wettstein wurde auch Zwyer geadelt. Beide hatten mit ihrer antifranzösischen Haltung zunächst einigen Erfolg. Doch obsiegten allmählich die französischen Versprechen des grossen Geldes und der vorteilhaften Zollprivilegien. 1663 wurde die neue Allianz mit Frankreich mit barocker Pracht in Notre-Dame zu Paris in Anwesenheit von König Ludwig XIV. beschworen. Aus der Schweiz waren 227 Abgeordnete angereist. Wettstein blieb der Zeremonie ostentativ fern. Die Schweiz wurde für mehr als ein Jahrhundert ein Satellit Frankreichs.

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