Abschieds- und Reisesegen

Abschieds- und Reisesegen

Verlag Jakob Christoph Schabelitz, Basel, 1844 datiert
Stahlstich, koloriert, Feder auf Papier
H. 34,7 cm, B. 20,1 cm, T. 5,1 cm (mit Rahmen)
H. 22,1 cm, B. 18,1 cm (Bildausschnitt)
Inv. 2010.102.

Bildauflösung:
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In einen prachtvollen, mit religiösen Motiven geschmückten, gedruckten Zierrahmen ist ein handschriftlicher Reise- und Abschiedssegen für Elisabeth Anderegg eingeschrieben. Ihre Schwester Maria Anna widmete ihr das Blatt im Mai 1844 als «ein Zeichen schwesterlichen Andenkens», wohl in Hinblick auf den bevorstehenden Abschied. «Wo Du auch sein magst, meine Liebe, / Begleite Dich des Friedens Ruh’, / Es leiten alle Deine Triebe / Dich Deinem wahren Glücke zu. – / So leb denn wohl, wo Du auch bist, / Dich kränke keine Noth, – / Der über jenen Sternen ist, / Der bleib’ fortan Dein Gott. // Als Zeichen steter Erinnerung / von / Deiner Schwester / Maria Anna. / Am 30. Mai 1844», lautet der Text. Für dieses Erinnerungsblatt verwendete die Schreiberin ein gedrucktes Blatt mit religiösen Bildelementen. Für den von Gott erbetenen Segen und für einen Abschied, der vermutlich für immer galt, waren diese sakralen Motive angemessen. In den beiden betenden Mädchen in den unteren Bildfeldern konnten sich die beiden sich trennenden Schwestern wiedererkennen.
Über Elisabeth und Maria Anna Anderegg liegen keine weiteren Informationen vor; nicht einmal die vermutete Auswanderung nach Amerika ist belegt. Doch deutet einiges darauf hin: Der Familienname lässt auf eine Herkunft der Familie aus dem Kanton Bern oder St. Gallen schliessen. Vor allem der Kanton Bern stellte im 18. und 19. Jahrhundert einen sehr hohen Anteil an der schweizerischen Auswanderung. Zum anderen wurde das Erinnerungsbild in den Vereinigten Staaten, in Christiansburg im Bundesstaat Virginia, erworben, wohin es vermutlich mit Elisabeth Anderegg gelangt war. Jedenfalls scheint das Blatt in Ehren gehalten worden zu sein: Eine grosse Fehlstelle am rechten Blattrand wurde in früher Zeit kunstvoll ergänzt, und der stark profi lierte, typisch amerikanische Rahmen aus Nussbaumholz zeugt ausserdem von der Wertschätzung dieses Erinnerungsstücks.
Die Basler Buch- und Kunsthandlung Jakob Christoph Schabelitz hatte in ihrem reichen Angebot solche vorgedruckten Zierblätter, auf die individuelle Texte geschrieben werden konnten. Vielleicht – und damit begeben wir uns auf das Gebiet der Mutmassung – hat die zurückbleibende Schwester die andere bis nach Basel begleitet, von wo aus diese rheinabwärts zu den Auswanderungshäfen an der Nordsee weiterreiste. In Basel, bei Schabelitz an der oberen Freien Strasse, könnte Maria Anna das Blatt erworben und als Abschiedsgeschenk für ihre auswandernde Schwester sorgfältig beschrieben haben; diese liess es dann am neuen Wohnort als Wandschmuck rahmen, zur Erinnerung an ihre Schwester in der alten Heimat.

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