«24 colorierte Abbildungen zur Kunst- und Gewerkschule»

«24 colorierte Abbildungen zur Kunst- und Gewerkschule»

wohl Süddeutschland
zweites Viertel des 19. Jahrhunderts
Papier, Karton; Kupferstiche koloriert;
Kartonfutteral
H. 5,3 cm, B. 6,8 cm (Karten)
Inv. 1915.234.

Bildauflösung:
4272px x 4823px

CHF 40.00

in den Warenkorb

Vielfalt der Handwerke
Jedes der Kärtchen, die in einem Kartonfutteral mit der Aufschrift «24 colorierte Abbildungen zur Kunst- und Gewerkschule» vereint sind, zeigt einen Beruf. Zu sehen sind jeweils Materialien, Arbeitswerkzeuge, Tätigkeiten und fertige Produkte. Der Leinenweber zum Beispiel (3. Reihe, 3. Bild) sitzt am Webstuhl; im Vordergrund sind gerollte Stoffballen zu sehen. Geordnet sind die Kärtchen nach dem Alphabet; jedem Buchstaben ist ein Beruf zugeordnet: Ackermann, Buchdrucker, Conditor, Drechsler, Eisenschmied, Fassmacher, Goldschläger, Hufschmied, Juwelier, Kupferschmied, Leinenweber, Maurer, Nagelschmied, Orgelbauer, Papiermacher, Quellbauer, Rotgiesser, Seiler, Tischler, Uhrmacher, Vogelfänger, Wagner, Xylograph (Holzschneider) und Zimmermann.

Die Berufe stammen alle aus dem Bereich des Handwerks oder Kunstgewerbes.

Akademische oder kaufmännische Berufe – Arzt, Jurist, Pfarrer, Fabrikant oder Kaufmann – also jene Berufsrichtungen, die auch die Knaben der Basler Oberschicht mehrheitlich einschlugen, sind nicht vertreten. Der Grund für diese Ausrichtung ist, dass die Kärtchen – so ist zu vermuten – von einer «Kunst- und Gewerkschule» herausgegeben worden sind. Auch Frauenberufe wie Näherin, Wäscherin, Glätterin oder Hebamme finden sich nicht dargestellt.

Ebenso wie Bilderbücher mit dem Titel «Was willst Du werden?» sollten die Kärtchen den Knaben die Vielfalt an Berufen näher bringen – hier kombiniert mit dem Erlernen des Alphabets. Die Kenntnis der Berufe gehörte zur Allgemeinbildung und war Grundlage für die Berufswahl. Allerdings vollzog sich die Wahl eines Berufes nicht ganz frei – gemäss Begabungen und Neigungen –, sondern folgte auch familiären Traditionen und väterlichen Vorstellungen. Jeweils der älteste, zumindest aber einer der Söhne übernahm das Handwerk und damit das Geschäft und Zunftrecht des Vaters. Dennoch bestimmten die Knaben manchmal auch selber über ihre berufliche Zukunft.

Der bekannte Basler Andreas Ryff (1550–1603) beispielsweise wählte seinen Beruf des Kaufmanns entgegen den Absichten des Vaters, der für ihn eine akademische Laufbahn vorgesehen hatte.

Weitere Bilder zu "Spiele und Spielzeug"