Der indiskrete Harlekin, Beltrame und Colombine
Der indiskrete Harlekin, Beltrame und Colombine
Meissen, um 1740
ohne Marke
Modell von Johann Joachim Kändler
Porzellan, Aufglasur? und Goldmalerei
H. 16 cm
Inv. 1975.1078.
Ausstellungsort: Haus zum Kirschgarten
1567 löste sich in Mantua eine professionelle Schauspieltruppe von den Vorgaben des klassischen Theaters, um fortan als "Commedia dell'Arte" in einem weiter gesteckten Rahmen zu improvisieren. Ihr Erfolg trug zur Standardisierung der Kostüme bei, und die Schauspieler spielten stets Charaktere bestimmter Art und Herkunft. Die Auftritte waren burlesk, und die "Lazzi" oder Farcen, die die locker gereihten Szenen verbanden, vulgär. Das derb Erotische und Bunte faszinierte die höfische Gesellschaft nicht nur in Italien. So liess August III. 1737 eigens eine Truppe in Venedig zusammenstellen und 1738 an den Hof von Dresden kommen. Maler wie Watteau porträtierten die "Comici", und auch die angewandte Kunst bemächtigte sich des dankbaren Sujets dieser Charaktere. Sie fehlen in kaum einem Programm der Porzellanmanufakturen und tauchen auch auf Tapetenmalerei in bürgerlichem Ambiente auf (z.B. auf der Tapete im Esszimmer des Hauses zum Kirschgarten). Die Reform des italienischen Theaters unter Goldoni setzte dem bunten Treiben ein Ende: gegen die Mitte des 18. Jahrhunderts ist der Spass an der burlesken Stegreifkomödie vorbei.
