Taubenhaus

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Taubenhaus

Meissen, um 1750
Schwertermarken unterglasurblau, Porzellan, Aufglasurmalerei
H. 41,5 cm
Inv. 2002.20.
Depositum der Pauls-Eisenbeiss-Stiftung

Ausstellungsort: Haus zum Kirschgarten

Auf unregelmässig geformtem Geländesockel steht, hoch auf einer Säule, ein prachtvolles Taubenhaus mit Walmdach und insgesamt 56 Flugöffnungen auf allen vier Seiten. Darunter wirft ein Bauer mit weit ausholender Bewegung den am Boden sitzenden Tauben Futter zu. Insgesamt sind 27 Tauben zu sehen, in den Fluglöchern, auf dem Dach oder am Boden hockend, und eine im Käfig, der am Boden steht.

Taubenhäuser (auch «Taubenkobel») dieser Art kennt man in weiten Teilen Mitteleuropas, und einige haben sich sogar bis heute erhalten. Ihre grosse Blüte hatten sie in jener Zeit, als Tauben noch zur Bereicherung des Speiseplans dienten; und so wird für die eingefangene Taube am Boden wohl eine Rolle im Menu des Hofbesitzers vorgesehen gewesen sein.

Das Taubenhaus ist detailliert geschildert, mit Anflugbrettern und Nischen an den Aussenwänden. So aber kann man, neben zahlreichen Nestern und herumliegendem Stroh, selbst einzelne Eier ausmachen. Ein interessantes Detail ist am Schaft der Säule zu sehen: das Umwinden mit einem dicken Strohbündel (überliefert ist auch das Umkleiden mit glatten Metallblechen) diente dazu, die Tauben «für allen Raubthieren und Ungeziefer, als Mardern, Katzen, Ratzen, Mäusen, Wieseln, Schlangen und dergleichen wohl zu verwahren» (Zedlers Universallexicon, 1744).

Drei solcher Taubenhäuser sind im Inventar der «Brühlschen Conditorey» verzeichnet. Heinrich Graf Brühl war der wohl mächtigste Mann am sächsischen Hof in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Seine Haushaltsführung war von fürstlichem Zuschnitt, und seine besondere Begeisterung galt dem Meissener Porzellan. Er hatte umfangreiche Tafelservice und Tischdekorationen aus Porzellan für sich herstellen lassen, darunter auch ein ganzes Dorf mit Kirche, Bauernhäusern, Ställen und Taubenhäusern. Solche Dekorationen zierten die Tafel beim abschliessenden, besonders reich ausgestatteten Dessertgang, weshalb die zugehörigen Dekorationsstücke in der «Conditorey»-Abteilung der jeweiligen Küche aufbewahrt wurden. Diese Miniaturdörfer, aufgebaut zum Augenschmaus der Reichsten ihrer Zeit, zeugen von der Verklärung des Landlebens, wie sie im gesamten 18. Jahrhundert zu beobachten ist.