Deckelterrine mit seilförmigen Henkeln
Deckelterrine mit seilförmigen Henkeln
Frankenthal, um 1759-1762
Porzellan mit Aufglasurbemalung
H. 22 cm, B. 35,5 cm, T. 20,6 cm
Inv. 2007.556.
Depositum der Pauls-Eisenbeiss-Stiftung
Zwei prachtvolle, zwischen 1759 und 1762 entstandene ovale Platten der Frankenthaler Manufaktur gehörten schon lange zum Bestand der Pauls-Eisenbeiss-Stiftung, die seit 1977 im Haus zum Kirschgarten ausgestellt ist. Durch einen grossen Glücksfall konnte für sie im vergangenen Jahr eine passende Ergänzung erworben werden. Denn im Herbst 2007 gelangte in einem Heidelberger Auktionshaus eine Terrine zum Aufruf, welche die gleiche Dekoration zeigt und auch in den Massen perfekt zu den beiden Platten passt. Für Frau Rosemarie Pauls, Tochter des Sammlerpaares, war es eine willkommene Gelegenheit, zum 30jährigen Jubiläum der Stiftung auch dieses Objekt für die Sammlung zu erwerben.
Die ovale Terrine, die auf dem Foto bereits mit einer der beiden Platten vereint ist, gehört zu den frühen Schöpfungen der 1755 gegründeten Manufaktur Frankenthal. Darauf weist die Marke in Form eines aufsteigenden Löwen und der miteinander verschlungenen Buchstaben JAH für Joseph Adam Hannong, der die Manufaktur von 1759 bis 1762 leitete. Die Terrine vereint in sich sehr unterschiedliche Tenden-zen: In der Form entspricht sie ganz den europäischen Formvorstellungen jener Zeit, die durch das Vorherrschen der Rocaille bestimmt sind. Auch im zarten Reliefdekor auf dem Gefässkörper herrscht die europäische Prägung vor, während der gemalte Dekor mit einem Pfau zwischen Bambuspflanzen und riesigen Päonienblüten ganz auf ostasiatische Vorbilder zurückgeht. In der harmonischen Verbindung von Westlichem und Östlichem, und im virtuosen Einsatz von höchst bewegten Rocaillen und Henkeln, die wie aus Halmen zusammengedreht erscheinen, liegt die besondere künstlerische Leistung bei der Gestaltung dieser Terrine.
