Schlummer der Schäferin
Schlummer der Schäferin
Höchst, um 1770 oder früher
ohne Marke
Modell von Johann Peter Melchior
Porzellan, Aufglasur- und Goldmalerei
H. 22,5, B. 32 cm
Inv. 1975.1308
Depositum der Pauls-Eisenbeiss-Stiftung
Ausstellungsort: Haus zum Kirschgarten
Das höfische Leben des Rokoko, das sich der Wirklichkeit mit einer immer wieder neu gestalteten Scheinwelt, dem "paradis artificiel" entzog, fand einen Ausgleich zu solch anspruchsvollen Darbietungen in der Verherrlichung des als natürlich und süss empfundenen Landlebens. So pflegte Königin Marie Antoinette sich als Schäferin verkleidet mit ihrem Hofstaat auf eines ihrer Landgüter, ihren "hameau" zu begeben, um dort bei allerlei Zeitvertreib aus kostbaren Porzellantassen Milch zu geniessen. Hier hat sich die Schäferin - in einen ungewöhnlich kurzen Rock gekleidet - neben ihrem bändchengeschmückten Lämmchen zum Schlummer niedergelegt. Schäfer, Knabe und Hund bilden einen scheinbar schützenden Bogen. Doch fehlt die erotische Komponente nicht (allerdings im Vergleich zur französischen Stichvorlage für den deutschen Markt sehr gemildert): Der Schäfer hat eben die Rose gepflückt, die als Hafte die zarte Bedeckung des Busens befestigt hatte. Die Gruppe ist nach dem Kupferstich Les Amours Pastorales von Claude-Augustin Duflos (1752) nach Vorlagen von François Boucher modelliert. Die gleiche Gruppe, jedoch unbemalt, mit blauer Radmarke, befindet sich ebenfalls in der Sammlung der Pauls-Eisenbeiss-Stiftung.
