Reisenecessaire in Mahagonikassette
Reisenecessaire in Mahagonikassette
Paris, um 1800
Mahagoniholz, Messingbeschläge, grün gefärbtes Ziegenleder, Papier, Samt, Seidenbänder
Silber, Ebenholz; Porzellan mit Vergoldung
Glas; Bein; Elfenbein
Schildpatt; Eisen, vernickelt
H. 19,5 cm, B. 40,8 cm, T. 31,5 cm (Holzkassette)
Inv. 2007.222.1.-35.
Eine silberne Schokoladenkanne mit Wasserkocher, Teekanne, Tassen, Zuckerdose und Rahmkännchen aus Porzellan, zahlreiche Fläschchen und Flakons aus Glas, Nadelbehälter aus Ebenholz, dazu Tee-Ei, Korkenzieher, Zahnbürste und Brille - all dies und noch vieles mehr ist in diesem prachtvollen, dicht gefüllten Holzkoffer aus der Zeit um 1800 enthalten. Die passend angefertigten Mulden sorgen dafür, dass die empfindlichen Gegenstände trotz der Enge beim Transport nicht beschädigt werden, und fest schliessende Glasstöpsel und silberne Schraubverschlüsse bei den Fläschchen verhindern, dass die darin befindlichen Flüssigkeiten auslaufen. Durch herausnehmbare Elemente ist es zudem möglich, dass die Objekte in mehreren Schichten übereinander angeordnet werden können.
Koffer dieser Art dienten als Reiseservice und -necessaire. Nicht so sehr im Sinne moderner Picknickkoffer für eine Mahlzeit im Freien, sondern um Dinge des täglichen Bedarfs auf der Reise mitzuführen. Die abgerundeten Messingbeschläge, welche die Ecken schützen, zeigen an, dass dieser Koffer für den Transport vorgesehen war. Ein kräftiges Schloss sicherte den Inhalt.
Selbst für wohlhabende Reisende war es im 18. und 19. Jahrhundert nicht selbstverständlich, dass sie auf einer Reise den gewohnten Luxus vorfanden. In einfachen Gasthäusern, mit denen man auf dem Lande vorlieb nehmen musste, sorgte der Inhalt eines solchen Koffers dafür, dass man trotz aller Einschränkungen die Mahlzeiten in annähernd gewohntem Stil einnehmen konnte und das mit sich führte, was dazu notwendig war. Davon leitet sich der Begriff des «Nécessaire» ab, der in einem Wörterbuch des mittleren 18. Jahrhunderts so definiert wird: «Petite boîte divisée par compartiments, pour renfermer différentes choses nécessaires ou commodes en voyage comme aiguilles, soucoupes, tasses, cafetières, théières, chocolatières etc.» Necessaires dieser Art waren vor allem auch repräsentative Geschenke anlässlich von Hochzeiten. In diesem Fall lässt der gute Zustand der einzelnen Objekte darauf schliessen, dass sie nur sehr wenig benutzt worden sind.
Silber und Porzellan sind ungemarkt. Dennoch besteht kein Zweifel daran, dass dieser Koffer in Paris hergestellt wurde. Die Stadt besass eine lange zurückreichende Tradition der Fertigung von Luxuswaren, die in weiten Teilen Europas begehrte Handelsgüter waren. Die in Paris ansässigen Porzellanmanufakturen sorgten für einfaches, aber wirkungsvoll dekoriertes Geschirr, und die zahlreichen, stark diversifizierten Handwerksbetriebe der Stadt lieferten die Vielzahl der anderen Gegenstände aus hochwertigen Materialien wie Elfenbein, Mahagoni und Ebenholz.
