25. Oktober 2016 | von Sabine Söll-Taucher, Martin Sauter & Carmen Simon Kommentieren

Wir sammeln, darum sind wir?

Interview mit Sabine Söll-Tauchert, leiterin der kunsthistorischen Abteilung & Martin Sauter, konservator-restaurator

Das Historische Museum Basel ist der diesjährige Partner von Museomix in der Deutschschweiz. Museomix ist ein Verein wie auch ein dreitägiges Kreativ-Event, das in diesem Jahr vom 11.-13. November im Museum für Geschichte stattfindet. An diesem Event tüfteln inter- und transdisziplinäre Teams während drei Tagen in und für Museen, wobei am Ende pro Team und Aufgabe eine funktionierende Lösung in Form eines Prototypen präsentiert wird. Dies geschieht alles mit dem Ziel, das Museum lebendiger zu machen – lebendig für eine breite Bevölkerung und vor allem spannend für das Museumspublikum der Zukunft. 

In den kommenden Wochen, bis zum Kreativevent Museomix, stellen wir Ihnen die sechs Herausforderungen vor, die den Museomix-Teams gestellt werden. 

Herausforderung 4 

Wir sammeln, darum sind wir? Was würden die Besucher sammeln? Und was fasziniert uns heute noch an Objekten, die vor rund 400 Jahren gesammelt wurden? Was ist die Zukunft des Sammelns? Wie können wir Sammlungen erlebbar machen?“

1. Weshalb ist dieses Thema eurer Meinung nach für das HMB von Bedeutung?

Martin Sauter: Das Thema trifft den eigentlichen Kern der Aufgaben eines jeden Museums, das Sammeln ist die Grundlage des Museums schlechthin. In der Umkehrung der Frage hiesse das, sind wir ohne das Sammeln ein Museum? Hört die Geschichte des Museums ohne Sammeln auf, ist eine Entwicklung ohne Sammlung überhaupt vorstellbar und lässt sich Geschichte ohne Objekte greifbar machen?

Sabine Söll-Tauchert: Neben dem Ausstellen und Vermitteln gehört das Sammeln und Bewahren selbstverständlich zu den wichtigsten und grundlegenden Aufgaben eines Museums. Das Historische Museum ist ein Archiv der Sachkultur. 

Martin: Meiner Meinung nach braucht es zwingend die Objekte, denn sie machen erst durch ihre Geschichten das Bild der Geschichte.

Sabine: Es geht darum, die Bestände zu erweitern, um die Vielfalt der Kunstwerke und Geschichtszeugnisse auch zukünftigen Generationen zugänglich zu machen. Auch werden auf diese Weise immer wieder Objekte vor der Zerstörung bewahrt und neu erschlossen. Mit gezieltem Sammeln lässt sich das Bild, das wir von der Vergangenheit haben, verdichten.

2. Warum ist diese Frage für euch in eurer HMB-Funktion wichtig?

Sabine: Als Verantwortliche für die Kunsthistorische Abteilung ist es mir ein Anliegen, den reichen Sammlungsbestand an Gemälden und Kunsthandwerk sinnvoll zu ergänzen. Wenn uns ein Objekt als Geschenk oder zum Verkauf angeboten wird, gilt es stets abzuwägen, inwiefern es eine bereichernde Ergänzung für die Sammlung darstellt. 

Martin: Als Konservator-Restaurator ist mir natürlich das Erhalten, das Bewahren der Objekte besonders am Herzen gelegen. Das Erhalten ist die logische Folge des Sammelns und bedeutet für Restauratoren einen direkten Kontakt mit dem Objekt. Es kann auch ein lesbar machen eines Objektes bedeuten, wenn es sich nicht selbst erklärt. Je mehr wir zu einem Objekt wissen, seiner Herstellung, seiner Funktion, seinem Wert, bzw. seiner Bedeutung und seiner Geschichte kennen, desto mehr Sinn ergibt das Sammeln.  

Sabine: Eine besondere Freude ist es jedes Mal, wenn uns aus Privatbesitz ein spannender Gegenstand überlassen wird. Diese Grosszügigkeit der Basler hat mich von Anfang an beeindruckt, als ich von Köln nach Basel gekommen bin. 

3. Was erhofft ihr euch von dem entsprechenden Prototypen, den die Museomixer entwickeln werden?

Martin: Ich erhoffe mir von den Museomixern Input in Bezug auf die Nutzung und Präsentation unserer Sammlungsobjekte. Eine neue, oder andere Sichtweise, die unsere ergänzt und bereichern soll. Aber auch Input in Bezug auf die Vermittlung des Wissens um unsere Sammlungsobjekte. Wie können wir besser nicht nur an Besucher sondern an Nutzer gelangen, welche Möglichkeiten können unsere bisherigen erweitern, sind Fragen, die die Museomixer leichter oder zumindest anders beantworten können und genau da erwarte ich entsprechende Ideen.

Sabine: Mich würde interessieren, was die Besucher gern noch über unsere Objekte wissen wollen, welche Fragen ihnen sozusagen unter den Nägeln brennen. Ich erhoffe mir von den Museomixern neue Anregungen für die Vermittlung unserer Ausstellungsstücke. Gerne würde ich wissen, welche Exponate die Besucher besonders ansprechen und welche Geschichten ihnen selbst bei deren Anblick in den Sinn kommen. Dieser Blick von aussen bringt sicher neue Impulse, darauf bin ich gespannt!



Martin Sauter ist Konservator-Restaurator SKR. Er ist seit 1980 als Restaurator für Gold und Silber, kunsthandwerkliche Objekte, Uhren, Waffen und wissenschaftliche Instrumente am HMB tätig. Sabine Söll-Tauchert ist Kunsthistorikerin und ist seit 2007 am Historischen Museum Basel tätig. 2008 übernahm sie als Kuratorin die Leitung der Kunsthistorischen Abteilung, die die Bereiche Malerei und Graphik, Bildwerke, Goldschmiedekunst, Glasmalerei, Möbel und Täfer umfasst.
 

Sabine und Martin stehen den Museomixern an Museomix 2016 als Experten zur Seite.  

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