17. Oktober 2016 | von Johanna Stammler & Carmen Simon Kommentieren

Wie kann ich aus Geschichte Geschichten machen?

Interview mit Der Kulturvermittlerin, Johanna Stammler

Das Historische Museum Basel ist der diesjährige Partner von Museomix in der Deutschschweiz. Opens external link in new windowMuseomix ist ein Verein wie auch ein dreitägiges Kreativevent, das in diesem Jahr vom 11.-13. November im Museum für Geschichte stattfindet. An diesem Event tüfteln inter- und transdisziplinäre Teams während drei Tagen in und für Museen, wobei am Ende pro Team und Aufgabe eine funktionierende Lösung in Form eines Prototypen präsentiert wird. Dies geschieht alles mit dem Ziel, das Museum lebendiger zu machen – lebendig für eine breite Bevölkerung und vor allem spannend für das Museumspublikum der Zukunft. 

In den kommenden Wochen, bis zum Kreativevent Museomix, stellen wir Ihnen die sechs Herausforderungen vor, die den Museomix-Teams gestellt werden. 

Herausforderung 2

Wie kann ich aus Geschichte Geschichten machen? Welche Art von Geschichte/n hinterlassen Spuren? Ist Geschichte eine Geschichte? Wie viele Blickwinkel erträgt die Geschichte? Was geschieht zwischen dem Geschichtenerzähler und dem Empfänger? Wie können wir im Museum der Zukunft Geschichten erzählen?“

1. Weshalb ist dieses Thema Deiner Meinung nach für das HMB von Bedeutung? 

In der Sammlung des Historischen Museums Basel finden sich einzigartige Gegenstände aus der Vergangenheit. Die trockenen Fakten und Informationen zur Klassifizierung finden wir auf den Beschriftungen:


Opens external link in new windowHl. Laurentius, Basel, um 1480, Lindenholz.  

Spannend wird Laurentius aber erst, wenn er beginnt, seine Geschichte zu erzählen. Dies gelingt, wenn er uns ins Jahr 1529 zurück führt und berichtet, weshalb ihm Kratzer im Gesicht zugefügt und der Grillrost in der Hand abgeschlagen wurden. Was war der Grund der Zerstörung und welcher Unbekannte hat die Statue gerettet und vor der Verbrennung der mittelalterlichen Bildwerke bewahrt? 

2. Warum ist diese Frage für Dich in Deiner HMB-Funktion wichtig? 

Wenn es mir als Kulturvermittlerin gelingt, mit der Geschichte der Laurentiusstatue, die verschiedenen Zielgruppen zu interessieren oder sogar auf einer emotionalen Ebene anzusprechen, kann das vergangene Objekt eine Brücke in die Gegenwart schlagen. Auch heute werden kostbare Werke mutwillig zerstört. So können Einsichten und Erkenntnisse gewonnen werden, welche uns die Vergangenheit bewusster machen und gleichzeitig eine Reflexion über die Gegenwart ermöglichen. Meine Geschichten gehen von Fakten aus, sind aber immer aus meiner Sicht erzählt. Besucher erzählen sie vielleicht auf ihre Art weiter.

3. Was erhoffst Du Dir von dem entsprechenden Prototypen, den die Museomixer entwickeln werden? 

Ich würde mich freuen, wenn die Museomixer daran anknüpfen und mit ihrem frischen und persönlichen Blick neue Möglichkeiten erkennen, wie historische Objekte durch Geschichten aufleben und zum Sprechen gebracht werden können. Bisher wurden die Geschichten zu den Exponaten und Themen in den Veranstaltungen oder Katalogtexten, mittels digitaler Medien sowie in szenischen Führungen im HMB erzählt. Als Prototyp wünsche ich mir eine weitere Idee, die Geschichte als Geschichten überliefert, aber auch das Publikum vermehrt teilhaben lässt.

 

 

 

 

 

 


Johanna Stammler
ist Kunsthistorikerin und Literaturwissenschaftlerin. Sie ist seit 2003 im Historischen Museum Basel tätig, zuerst als freie Mitarbeiterin in der Abteilung Bildung und Vermittlung und seit 2004 als feste Mitarbeiterin in derselben Abteilung. Für Museomix 2016 in Basel ist Johanna zusammen mit Johannes Kuber für die Vermittlung während des Events verantwortlich. 

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