21. Oktober 2016 | von Carmen Simon & Daniele Turini Kommentieren

Wer hat im Museum das Wort?

Interview mit Carmen Simon, Projektleiterin eCulture & Ausstellungskuratorin

Das Historische Museum Basel ist der diesjährige Partner von Museomix in der Deutschschweiz. Opens external link in new windowMuseomix ist ein Verein wie auch ein dreitägiges Kreativ-Event, das in diesem Jahr vom 11.-13. November im Museum für Geschichte stattfindet. An diesem Event tüfteln inter- und transdisziplinäre Teams während drei Tagen in und für Museen, wobei am Ende pro Team und Aufgabe eine funktionierende Lösung in Form eines Prototypen präsentiert wird. Dies geschieht alles mit dem Ziel, das Museum lebendiger zu machen – lebendig für eine breite Bevölkerung und vor allem spannend für das Museumspublikum der Zukunft. 

In den kommenden Wochen, bis zum Kreativevent Museomix, stellen wir Ihnen die sechs Herausforderungen vor, die den Museomix-Teams gestellt werden. 

Herausforderung 3

"Wer hat im Museum das Wort? Wie regen wir den kommunikativen Austausch im Museum an? Wie können wir Interaktion mit dem Museum fördern? Wie erzählen wir Erlebtes anderen, die nicht im Museum waren? Was braucht es, um sich mit und ohne Wort austauschen zu können? Wie können wir das Museum zum Forum der Gedanken machen?"

1. Weshalb ist dieses Thema Deiner Meinung nach für das HMB von Bedeutung? 

Insbesondere in grossen Museen habe ich als Besucherin oft ein Gefühl der Ohnmacht. Beim Betreten des Museums fühle ich mich in Anbetracht der wichtigen Kultur oft klein und unbedeutend. Demütig mache ich mich auf den Rundgang und lerne das, was mir "das Museum" vermittelt – mich dazu äussern, sowohl kritisch wie aber auch praktisch im Ausstellungsraum selbst, tue ich nicht. Schliesslich vermittelt mir "das Museum" eine Deutungshoheit, die ich mich nicht zu hinterfragen getraue. 

Das Museum für Geschichte (HMB) könnte eines dieser grossen Museen sein. Ein Museum, das solche Empfindungen hervorrufen kann – insbesondere wegen dem Museumsgebäude, der Barfüsserkirche, die das Erhabene unterstützt. Als Museum wollen wir aber nicht elitär sein, wir möchten unserem Publikum auf Augenhöhe begegnen, es miteinbeziehen und mit ihm in Dialog treten. Aus diesem Grund ist diese Herausforderung für uns eine wichtige, mit der wir jeden Tag konfrontiert werden.

2. Warum ist diese Frage für Dich in Deiner HMB-Funktion wichtig? 

Als Projektleiterin eCulture wie auch als Ausstellungskuratorin ist es meine Aufgabe den Austausch und die Reflexion im Museum anzuregen. Neben den traditionellen Medien bieten uns neue Medien einen enormen Mehrwert, indem sie nicht nur Teilhabe, sondern auch Teilnahme ermöglichen. Sie helfen dabei Schwellen abzubauen, können physischen und virtuellen Raum verbinden – auch ausserhalb der Museumsmauern kommunizieren und den direkten Dialog fördern. Ausserdem ermöglichen sie eine Auseinandersetzung der Inhalte auf verschiedenen Ebenen und für verschiedene Sinne.   

3. Was erhoffst Du Dir von dem entsprechenden Prototypen, den die Museomixer entwickeln werden? 

Für mich – und auch für die Herausforderung – ist bereits der ganze Prozess von Museomix, die drei Kreativtage, entscheidend. Indem wir unser Publikum, das heisst die interdisziplinären Kreativteams, das Museum für Geschichte aufmischen lassen, ermöglichen wir Partizipation und Austausch im Museum. Spannend wäre, wenn ein Prototyp entstehen würde, der sich für die Museumspraxis weiterentwickeln liesse. Ein Projekt, das wir in den Museumsalltag einbinden können – ein Projekt, das unsere Besucherinnen und Besucher das Wort im Museum ergreifen lässt.    

 

 

 

 

Carmen Simon ist Museumswissenschaftlerin und Historikerin. Sie ist seit 2015 im Historischen Museum Basel als Projektleiterin eCulture und Ausstellungskuratorin tätig. Zuvor war sie im Museum für Kommunikation in Bern und im Jüdischen Museum der Schweiz in Basel beschäftigt. An der Schnittstelle von Museum und dem Verein Museomix ist Carmen mit Iris Staudecker bei Museomix 2016 in Basel für die Koordination der beiden Institutionen verantwortlich.  

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