14. April 2016 | von Carmen Simon Kommentieren

#Tweevening

Die Kurzführung beginnt. Im besten Fall werden spätestens jetzt die Handys gezückt, es wird fotografiert, mitgefilmt und schriftlich kommentiert. Und das alles öffentlich – auf der Mikroblogging-Plattform Twitter

Haben Sie ihr Handy ab- oder auf Flugmodus gestellt, so können Sie dieses getrost wieder einschalten, denn an unseren #Tweevenings (Tweet & Evening) möchten wir explizit, dass sich die Teilnehmerinnen in den sozialen Medien untereinander und mit Teilnehmern im Internet über die Führung austauschen.

#Tweevening Frauenstadtrundgang: 9. September 2015; #Tweevening in der Ausstellung WATCH THIS! Genfer Uhren in Basel: 7. April 2016; #Tweevening in der Ausstellung Museum of Broken Relationships: 10.Juni 2015 (v. l.)


Der #Tweevening – eine Institution

Seit 2013 ergänzt der #Tweevening als fixer Bestandteil das HMB-Dauerangebot. Ich bin seit einem Jahr als HMB-eCulture-Projektleiterin Teil der Veranstaltung.  

Drei- bis viermal im Jahr bieten wir unserem Publikum an, die aktuellen Sonderausstellungen in Form eines Tweetups zu erleben.   

Ein Tweetup ist ein reales Meetup (Treffen) von Twitterern, das gleichzeitig offline und online stattfindet, denn während sich die Twitterer real treffen, lassen sie ihre Follower via Twitter online am Treffen teilnehmen.
Brigit Schmidt-Hurtienne in Kunstvermittlung 2.0: Neue Medien und ihre Potenziale, S. 141

Mittlerweile hat das Format bei uns eine eigene Stammgemeinde, zieht aber je nach Thema und Programm auch neue Teilnehmer an. Im Durchschnitt sind ungefähr 30-40 Besucherinnen und Besucher im Alter von 20 bis 60 Jahren präsent, neben Usern, die der Veranstaltung ausschliesslich online folgen und kommentieren. 

Bei Führungsbeginn werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer angeregt, ihre Gedanken, ihre Fragen und ihre Bemerkungen zur Führung direkt auf Twitter zu teilen. Unter dem Hashtag #Tweevening werden alle Beiträge gesammelt, auf einer sogenannten Tweetwall vor Ort abgebildet und am kommenden Tag aufbereitet ins Netz gestellt. 

<noscript>[<a href="//storify.com/HistMuseumBs/tweevening-s-wilde-viertel" target="_blank">View the story "#Tweevening 09.09.2015 Stadtrundgang "s'wilde Viertel"" on Storify</a>]</noscript>

 

Nach der Führung wird der #Tweevening bei einem gemeinsamen Feierabenddrink abgeschlossen. 

 


#Tweevening in der Ausstellung Museum of Broken Relationships: 9. Juni 2015


Alles nur Spielerei?

Der Einsatz von Sozialen Medien in Kulturinstitutionen hat noch heute mit dem Vorurteil zu kämpfen, dass damit ernstzunehmende Inhalte bei deren Vermittlung trivialisiert werden. Mit der Verwendung von Neuen Medien wird das bestehende Vermittlungsangebot aber lediglich mit einem neuen Medium ergänzt. Neue Medien trivialisieren keine Inhalte, viel mehr werden damit Inhalte auf eine neue Art und Weise und mit Mehrwert an das Publikum weitergegeben und zur Diskussion gestellt.

Unsere dreijährige Erfahrung mit den #Tweevenings hat aufgezeigt, dass wir durch spezifische Formate, die Spass machen und zeitgemäss sind…

  • Schwellen abbauen und auch ein nicht museumaffines Publikum (After-Work, Abendöffnung) ins Museum holen können.
  • erhöhte Aufmerksamkeit aufgrund der Aufforderung zur Teilnahme generieren.
  • die Auseinandersetzung mit den Inhalten anregen.
  • nicht nur Teilhabe, sondern auch Teilnahme ermöglichen –  sowohl on- wie auch offline.
  • die Verbindung von physischem und virtuellem Raum herstellen, denn das Format sprengt die Grenzen der Museumsmauern.
  • den direkten Dialog mit unserem Publikum suchen und fördern können.
  • eine Nachhaltigkeit im Netz durch Aufbereitung der Dialoge bieten können.


Erfolg = digital?

Es ist jedoch nicht nur das digitale Medium, das die Veranstaltung beliebt macht, sondern auch die Rahmenbedingungen. Es hat sich gezeigt, dass gerade das entspannte Beisammensein und die kurzen (Ein-)Führungen auf Interesse stossen. Denn selbstverständlich sind auch Leute ohne Smartphones, Twitter- oder Social-Media-Kenntnisse eingeladen, den #Tweevenings beizuwohnen. 

Aktuell stellen wir uns auch die Frage, ob Twitter das geeignete Medium für einen solchen Event ist. Obwohl der Mikroblogging-Dienst die idealen Voraussetzungen für eine öffentliche Diskussion eines Themas bietet, hat er sich hierzulande nicht durchgesetzt. Vielleicht ist es noch zielführender in Zukunft eine Plattform oder einen Dienst zu verwenden, der sich bei der Zielgruppe etabliert hat und gerne genutzt wird. 

Aus diesem Grund sind wir auch offen für Veränderungen an unserem #Tweevening. Uns ist es ein Anliegen, den Event stetig weiterzuentwickeln, mit der Zeit zu gehen und vielleicht auch andere, beliebtere soziale Medien auszutesten.


Probieren Sie’s selbst mal aus  

Die #Tweevenings sind für Besucherinnen und Besucher kostenlos - auch der Eintritt ins Museum ist frei. Die Daten und Themen der nächsten Termine finden Sie in unserem Opens external link in new windowProgramm

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