11. Februar 2016 | von Reto Bürgin mit Sabine Söll-Tauchert und Martin Sauter Kommentieren

Setzt die Segel! (2/3)

Los geht’s! Gekonnt und vorsichtig machen sich der erfahrene Restaurator Martin Sauter und seine rechte Hand, Janine Meier, an die Arbeit. Wo soll es losgehen?

Bis das „Schiff“ aus dem Hafen auslaufen kann, sind mehrere Schritte nötig: Als Erstes heisst es: "Der alte Lack muss ab!" Bei genauerem Hinschauen fallen diese gelblich schimmernden Flächen des alten Lacks direkt ins Auge. Damit wurden früher die Oberflächen versiegelt,  um das Anlaufen des Silbers zu verhindern. Gerade auf den Segeln sind die alten Lackstellen sehr gut zu erkennen. Mit Pinsel, Wattebausch und Lösemittel macht sich der Restaurator daran, den Lack zu beseitigen. Ist der alte Lack einmal weg, wirkt „das Schiff“ schon ganz anders.

Nun kann der Rest des Schiffs gereinigt und das Schiffsdeck "geschrubbt" werden. Natürlich behutsam, denn das Team reinigt die einzelnen Oberflächen des vergoldeten Silberobjekts unter dem Mikroskop mit Wattestäbchen und Kreidepulver.


Werft die Anker aus!

Wir machen einen kurzen Zwischenhalt und blicken genauer auf und vor allem hinter das Leitobjekt der Ausstellung SILBER & GOLD. Wann wurde das „Schiff“ gefertigt? Und wer erhielt den Auftrag, einen solch kostbaren Pokal aus teilweise vergoldetem Silber anzufertigen, der insgesamt über 4 kg wiegt?

Um Antworten zu erhalten, nehme ich das gute Stück einmal genauer unter die Lupe. Und siehe da, auf dem Sockel unterhalb Neptuns kräftigen Füssen finde ich eine Datierung:  „Aeschermittwoch 1907“, der Tag, an dem das „Schiff“ zum ersten Mal zum Einsatz kam. 

Wo es verwendet wurde, verrät das Wappen der Opens external link in new windowBasler Ehrenzunft zu Safran am Heck des Schiffes: Die Lilie ist das Zeichen dieser Berufsvereinigung, der auch die Gewürzkrämer angehörten. Sie handelten mit kostbaren Gewürzen aus fernen Ländern, die teilweise mit dem Schiff geliefert wurden. Die Zunft liess sich also einen passenden Tafelaufsatz fertigen. Bis heute ist das „Schiff" bei Zunftanlässen als Trinkgefäss beliebt. Als Trinkgefäss? Ja, das Schiffsdeck des Dreimasters lässt sich abnehmen und der Rumpf nimmt über einen Liter Wein auf. Unter Trommelwirbel muss das neue Zunftmitglied diesen in einem Zug austrinken!

Der Erbauer unseres „Schiffs“ war Ulrich Sauter (1854-1933), der führende Goldschmied seiner Zeit in Basel. Nach seiner Ausbildung in Genf und Wanderjahren in Deutschland übernahm er im Alter von 30 Jahren die Werkstatt seines Vaters in der Freien Strasse. Seine enorm produktive Werkstatt fertigte fantasievolle Tafelaufsätze und Trinkgefässe nach individuellen Wünschen der Auftraggeber. Die Entwürfe, die Sauter für "das Schiff" zeichnete, sind in der Ausstellung zu sehen. Sogar das hölzerne Modell einer Fregatte aus seinem Besitz, das ihm als Vorbild diente, ist dort ausgestellt! Also nichts wie hin!  

Gehe zu Blogbeitrag "Opens external link in new windowEin Schiff wird kommen" (1/3) / Gehe zu Blogbeitrag "Deck Schrubben!" (3/3) 

Ähnliche Artikel

14. Dezember 2017

Eintauchen

Winzige Partikel schweben im Wasser, sinken auf die Flusssohle oder werden an die Ufer gespült – ein gefundenes Fressen für viele Kleinstlebewesen, für Fische und Vögel. Doch die Partikel sind nicht nahrhaft, sondern bestehen aus dem allgegenwärtigen Plastik.

Patricia Holm ist Leiterin der Forschungsgruppe Mensch-Gesellschaft-Umwelt und des Masterstudiengangs für nachhaltige Entwicklung (MSD) an der Universität Basel. Im Rahmen der Sonderausstellung "Aufgetaucht. Basels geheimnisvolle Wasserfunde" tauchen wir mit ihr in das Thema der Mikroplastik im Rhein ein.

Eintauchen weiterlesen
30. November 2017

Auf Takt mit Dominik Heitz

"Treffendes über das Taktgefühl sagen und schreiben lässt sich Vieles, aber nicht immer vermag man es spielend umzusetzen."

In unserer Blogserie „Auf Takt mit …“ lassen wir im Rahmen der Sonderausstellung „Auf Takt!“ verschiedene Persönlichkeiten zu Themen rund um das Metronom zu Wort kommen. Im letzten Beitrag macht sich der Journalist und Stilkolumnist Dominik Heitz Gedanken über das "Taktgefühl".

Auf Takt mit Dominik Heitz weiterlesen
Das HMB auf YouTube
AUFGETAUCHT
#rheingeworfen vol.2
KÄMPFE MIT KONRAD GEGEN DIE PEST
Das HMB auf Instagram
Das HMB auf Twitter