23. Februar 2016 | von Eliane Tschudin Stammler Kommentieren

Licht an! 120 Kerzen für die "Erleuchtung" religiöser Objekte (2/2)

Gold und Silber reflektieren das Licht auf eine ganz besondere Art und Weise. Die Szenografin und Architektin Adeline Rispal setzte auf diese Qualität und entwickelte für den Ausstellungsbereich „Sakraler Kult und Spiritualität“ eine spezielle Lichtinszenierung. Die Wirkung der mittelalterlichen Kultgegenstände im Kerzenschein, wie sie früher in Kirchen erstrahlten, soll auch in der Ausstellung zu erleben sein.

Da richtige Kerzen im Museum selbstverständlich aus sicherheitstechnischen Gründen nicht erlaubt sind, bestellte der Lichtplaner Gregor Gallian 120 elektrische Kerzen in diversen Grössen. Die LED-Kerzen mit beweglichen "Kunststoffflammen" stammen aus Frankreich und wirken dank ihres Wachsmantels täuschend echt.   

Millimeterarbeit & Zufall: Aufbau der altarähnlichen Konstruktion und Installation der Kerzen

Der Einbau der passgenau angefertigten Plattform, die drei Pfeiler umrahmt, sowie die Verteilung der Kerzen wollen gut geplant sein. Um die Positionierung der Originalobjekte und der Kunstkerzen zu erproben, wird bei den besonders kostbaren und fragilen Objekten mit "Pappkameraden", also zweidimensionalen Modellen gearbeitet. Die Szenografinnen Adeline Rispal und Margaux Geib-Lapinte, die Kuratorin Sabine Söll-Tauchert, der Lichtdesigner Gregor Gallian und die Restauratoren Franziska Schillinger und Matthias Heinzel probieren aus, schieben hin und her, begutachten und markieren bis die Objekte optimal beleuchtet sind. Zwischen den Pfeilern hingegen soll die Anordnung der Kerzen zufällig sein. So wirft die Szenografin kreisrunde Schablonen auf die Plattform, um eine unregelmässige Verteilung der Lichtkörper zu erreichen.

Als nächstes sägt der Schreiner 120 Kreise aus der MDF-Platte. Danach erhält die gelochte Platte ihren  letzten Anstrich und wird auf die vorbereiteten Halterungen in der Ausstellung montiert. Die Kerzen werden in zehn Zentimeter tiefen Löchern versenkt, sodass die Kabel im Zwischenraum verschwinden.

Kleiner Trick mit grosser Wirkung

Die Restauratoren und die Kuratorin verteilen nun die Exponate auf die für sie vorgesehenen Standorte auf der Präsentationsfläche. Damit einige Details der kostbaren Originale gut ausgeleuchtet werden, fixiert der Lichtplaner die Flammen einiger Kerzen  mit Heissleim und beklebt diese mit speziell in Flammenform angefertigten Spiegelfolien . Nun lenken die winzigen Spiegel das Licht optimal auf die Objekte. Als Besucher nimmt man diese Feinheiten kaum wahr. Und so soll es auch sein! Der letzte Schritt liegt in der Montage der Vitrinen zum Schutz der wertvollen Exponate. Licht an! Das flackernde Kerzenlicht taucht den abgedunkelten Raum in eine mystisch-sakrale Atmosphäre, in der beispielsweise die hl. Ursula oder der hl. Christophorus aus dem Basler Münsterschatz eine geheimnisvolle Wirkung entfalten.

Das Ergebnis ist eindrucksvoll, schauen Sie es sich selbst in der Ausstellung an!

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