21. November 2017 | von Carmen Simon Kommentieren

Eintauchen

DIE WELT DER RHEINPOLIZEI

Wer war der Rheinknecht und seit wann gibt es die Rheinpolizei? Warum braucht es sie und wie gefährlich ist das Rheinschwimmen tatsächlich? Wir haben beim Rheinpolizisten Renato Goldschmidt nachgefragt.


Renato Goldschmidt am Vortrag zur Ausstellung „Aufgetaucht. Basels geheimnisvolle Wasserfunde“, 18.10.2017 (Bild: Natascha Jansen, Historisches Museum Basel)


Renato Goldschmidt, Sie sind langjähriger Rheinpolizist. Seit wann gibt es die Rheinpolizei in Basel?

Die Rheinpolizei entwickelte sich aus dem sogenannten „Rheinknecht“. Dieser war im 19. Jahrhundert für die Flösserei bei der Opens external link in new windowMittleren Brücke zuständig. Er überwachte das Laden des Holzes und musste dabei die anfallenden Gebühren erheben. Später – als Teil des Polizeikorps – umfassten seine Aufgaben neben der Flösserei auch das Opens external link in new windowWeidlingsfahren, die Aufsicht über die Fischerei und die Fischzucht. Der Begriff Rheinknecht wandelte sich in der Mitte des 20. Jahrhunderts zum Rheinaufseher und dann zum Rheinpolizisten. Im Sommer 1946 trat der erste ausgebildete Polizist in den Dienst des Rheinknechts. 

Die heutigen Rheinpolizistinnen und -polizisten absolvieren also die übliche Polizeilaufbahn. Sie sind ausgebildete und vereidigte Polizisten.

Weshalb braucht es heute eine Polizei auf dem Wasser und was ist ihre Aufgabe?

Analog dem Strassenverkehr benötigt es auch auf dem Wasser gewisse Regeln und Gesetze. Grundsätzlich  setzen wir diese auf dem Wasser durch und sorgen so auch dort für Sicherheit und Ordnung.

Die heutigen Aufgaben der Rheinpolizei sind vielseitig und umfassen beispielsweise die technische Abnahme von Booten und die Durchführung von theoretischen sowie praktischen Führerprüfungen für Motorboote, Segelschiffe und – eine Besonderheit für Basel  die Gierseilfähren. Wir kontrollieren aber auch Ausweise, machen Alkohol- oder Drogentests und sind an Anlässen wie dem SLRG Rheinschwimmen, der achter Ruder Regatta oder der Ryybutzete präsent. Bei Letzterem waren wir für den Transport und die Absicherung der gut 80 Taucherinnen und Taucher zuständig. Ausserdem haben wir da gefährliche Gegenstände wie Waffen oder Munition, die gefunden wurden, entgegengenommen und fachgerecht gesichert.   

Sicherheit und Ordnung stehen an erster Stelle. Dennoch kommt es immer wieder zu Unfällen. Wie gehen die Rheinpolizistinnen und Rheinpolizisten mit solchen Ereignissen um?

Unfälle mit Verletzten oder Toten sind immer tragisch. Personen, die seit mehreren Wochen im Wasser gelegen haben, sind kein schöner Anblick. Der Geruch der Leichen ist sehr unangenehm. Unsere Aufgabe ist es, diese Menschen zu bergen und der Gerichtsmedizin zu übergeben. Bei der Verarbeitung solcher Erlebnisse steht im Bedarfsfall professionelle Hilfe zur Seite.

Können Sie uns ein Unglück schildern, dass Ihnen bis heute in Erinnerung geblieben ist?

Sicherlich ist das Opens external link in new windowKentern der „Merlin“ am 4. August 2014 immer noch sehr präsent. Meine Mannschaft und ich haben die beiden Matrosen von Bord geholt. Der Schiffsführer weigerte sich das Schiff zu verlassen. Kurz darauf kenterte es. Darauf folgten zwei Nachfolgeunfälle, die durch ein Passagierschiff verursacht wurden.

Das Kentern der Merlin (Film: Renato Goldschmidt)

So schön die Arbeit auf dem Wasser ist, so birgt sie auch ihre Gefahren.

Apropos Gefahren – was raten Sie den Rheinschwimmerinnen und Rheinschwimmern?

Um im Opens external link in new windowRhein zu schwimmen, muss man ein guter Schwimmer sein. Die Hindernisse wie Brückenpfeiler, Bojen oder Steganlagen sollten gemieden werden. Ausserdem raten wir immer, die Schwimmsäcke nicht an den Körpern festzubinden und nie alleine und auch nicht überhitzt ins Wasser zu steigen.

Im Sommer übernehmen wir übrigens zusammen mit den anderen Behördenbooten (Berufsfeuerwehr Basel, Grenzwachtkorps und den schweizerischen Rheinhäfen) die Aufsicht der zahlreichen Schwimmer. Um ihre Sicherheit zu gewährleisten, bieten wir u.a. für die Grossschifffahrt einen Vorspann an. Das heisst, wir nehmen mit den Schiffsführern Kontakt auf, damit wir ihnen die Schifffahrtsrinne frei machen können. So gelingt es uns, Unfälle zu vermeiden.

Renato Goldschmidt ist stellvertretender Leiter des Polizeistützpunktes Rhein in Basel. Er absolvierte 1988 die Polizeischule und nahm 2011 seinen Dienst bei der Rheinpolizei auf. Schon als Kind faszinierte ihn das Wasser. Seine Freizeit verbrachte er mit schwimmen, Kanu- und Kajakfahren sowie später mit Gerätetauchen in der Schweiz und in internationalen Gewässern. 

Die Ausstellung „Opens internal link in current windowAufgetaucht. Basels geheimnisvolle Wasserfunde“ kann noch bis zum 4. März 2018 im Opens internal link in current windowMuseum für Geschichte besucht werden.

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