14. Dezember 2017 | von Patricia Holm, Umweltwissenschaftlerin Kommentieren

Eintauchen

Mikroplastik im Rhein

Haben Sie sich schon einmal überlegt, wo die Mengen an Plastik enden, die wir tagtäglich nutzen? Wie sie sich auf die Tiere auswirken und welche Folgen dies für die Zukunft haben könnte? Wir haben bei Patricia Holm vom Departement für Umweltwissenschaften der Universität Basel nachgefragt.

Patricia Holm am Vortrag zur Ausstellung „Aufgetaucht. Basels geheimnisvolle Wasserfunde“, 1.11.2017 (Bild: Natascha Jansen, Historisches Museum Basel)

Viele Plastikartikel sind oft nur als Einwegprodukte – wie Verpackungen, Plastikbecher und -geschirr – in Gebrauch. Wir entsorgen sie rasch nach ihrer Zweckerfüllung. 

Was heisst aber „entsorgen“? Nun, die Schweiz ist Weltspitze, wenn es um das Verbrennen und Recyceln von Plastik geht. Unser Abfall-Plastik landet also nicht auf Deponien. Dennoch: wenn wir Umweltforscherinnen und Umweltforscher mit feinmaschigen Netzen den Rhein, seine Nebenflüsse und Seen beproben, finden wir immer (!) Plastik. Dabei sind auch kleine Plastikteilchen. Diese werden, wenn sie kleiner als 5 mm sind, als Mikroplastik bezeichnet. Oft entsteht Mikroplastik durch die Fragmentierung grösserer Plastikteile in der Umwelt, wie durch Licht, Wind oder mechanische Einwirkung. 

In die Gewässer gelangt es beispielweise aus den Kläranlagen der Haushaltsabwässer. Dort kann Mikroplastik unter anderem aus der Kleiderwäsche stammen. Aber selbst in verschiedenen Körperpflegeprodukten, wie Peelings, Duschgels oder Zahnpasten ist Mikroplastik enthalten, dort in Form von kleinen Perlchen. Sie landen bestimmungsgemäss im Abwasser. Die Tiere können diese Mikroplastik als vermeintliche Nahrung aufnehmen und sterben dann sozusagen mit vollem Bauch an Hunger. In der Opens external link in new windowForschung wissen wir zwischenzeitlich sogar, dass besonders kleine Mikroplastikpartikel bis in Zellen des Verdauungstraktes aufgenommen und dann über die Nahrungskette weitergegeben werden können. 

Wenn wir Menschen unseren alltäglichen Routinen nachgehen, sind uns meist weder diese Zusammenhänge bewusst, noch sind derartige Folgen beabsichtigt. Es ist nun aber sicherlich an der Zeit, einmal darüber nachzudenken und vielleicht auch Veränderungen im persönlichen Verhalten einzuleiten!

Prof. Dr. Patricia Holm ist Biologin und Umweltwissenschaftlerin . Sie leitet die Forschungsgruppe Mensch-Gesellschaft-Umwelt (MGU und den Masterstudiengang “Sustainable Development” (MSD) an der Universität Basel. Zudem leitet sie das transfakultäre Querschnittsprogramm “Opens external link in new windowNachhaltige Entwicklung“. In ihrer Forschung untersucht sie die Auswirkungen verschiedener Faktoren auf den Fisch und andere wasserlebende Tiere. Sie setzt sich dafür ein, dass damit der Einfluss der Menschen auf aquatische Ökosysteme und deren Auswirkungen aufgezeigt werden können. 

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